Jack Miller & Patrick Unger

Arbeitsplatz MotoGP … wie?

Für ein MotoGP-Team wie Red Bull KTM Ajo zu arbeiten, ist für viele ein Traum. Wir haben nachgefragt, welche Wege es gibt, den Traum Realität werden zu lassen.

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Red Bull Ajo KTM Moto3 Team

Du magst Motorräder und liebst Motorsport, siehst das Treiben in der Boxengasse aber nur im Fernsehen und fragst dich, welche Möglichkeiten gibt es, ein Teil dieser Welt zu werden? Wie nicht anders zu erwarten, und kaum anders, als bei jeder anderen Sportart auf Weltmeisterschaftsniveau, ist es kein leichter Weg. Red Bull KTM Teamchef Aki Ajo und Teammitglied Patrick Unger ließen uns hinter die Kulissen des Teams blicken.

„Ich denke, es gibt viele Berufsgruppen und Bereiche, aus denen man Mitarbeiter beziehen kann, aber eine Sache steckt hinter allem und die ist essenziell: die Leidenschaft für den Sport“, sagt Aki Ajo, der seit 2002 sein eigenes Grand Prix Team betreibt. „Ich glaube nicht, dass man diesen Job gut machen kann, wenn man für die MotoGP nicht ein gewisses Maß an Leidenschaft aufbringt. Wenn du dich nur für die technische Seite interessierst, dann wirst du wahrscheinlich nicht lange bleiben. Bei einigen ist die Leidenschaft bereits vorhanden bevor sie überhaupt daran denken, im Fahrerlager zu arbeiten. Andere haben eine besondere Fähigkeit und die Leidenschaft kommt, wenn sie anfangen bei den Rennen zu arbeiten. Man braucht diese Leidenschaft, um die nötige Energie für den Job aufzubringen, das ist das Wichtigste für mich.“

Aki Ajo: „Ich glaube nicht, dass man diesen Job gut machen kann, wenn man für die MotoGP nicht ein gewisses Maß an Leidenschaft aufbringt.

Wie bewertet man, ob eine Person das richtige Maß an Leidenschaft und Hingabe für diesen Sport hat? „Ich denke, das sieht man normalerweise ziemlich schnell. Du musst die Person ein bisschen analysieren und herausfinden, warum sie sich für Rennsport  interessiert, welche Ziele sie hat, wie die familiäre Situation ist, die Hobbies und was diese Person im Leben erreichen will. Man sieht schnell, ob es möglich ist mit jemandem zusammenzuarbeiten oder nicht.“

In der Saison 2012 führte Ajo Sandro Cortese zu seinem und KTMs erstem Moto3-Weltmeistertitel. Bereits 2008 und 2010 hatte Ajo Weltmeistertitel eingefahren, unter anderem mit Marc Márquez. Der ehemalige Rennfahrer lenkt nun die Geschicke des KTM und Husqvarna Werksteams in der Moto3-Klasse und kann sich dabei auf ein Team verlassen, das größer ist, als jemals zuvor. Eine Saison von neun Monaten, Testfahrten, Team-Headquarter und Werkstatt in Spanien und im Grunde genommen ein Leben auf den Rennstrecken bedeutet, dass es von existenzieller Bedeutung ist, ein Team von Persönlichkeiten und Charakteren zu finden, die harmonisch und effektiv miteinander arbeiten können. Grundsätzlich muss das Gesamtbild passen, denn nur so können gute Resultate für das Team, Partner und Sponsoren erzielt werden.

„Die Einstellung kann genauso wichtig sein, wie der Lebenslauf“, sagt Ajo. „Normalerweise lege ich nicht so viel Wert auf den Lebenslauf. Das ist nur ein Stück Papier. Ich spreche lieber mit den Leuten und mache mir ein Bild von ihnen. Manchmal kann es komplizierter sein, einen erfahrenen und sachkundigen Typen zu nehmen, denn jedes Team hat sein eigenes System. Wir sind nicht arrogant, aber wir vertrauen auf unser System und bleiben immer realistisch. Wir suchen nach Leuten, die zu uns und zu unserer Arbeitsweise passen.“

Ajo: „Normalerweise lege ich nicht so viel Wert auf den Lebenslauf. Das ist nur ein Stück Papier.”

Aki Ajo & Jack Miller

Aki Ajo & Jack Miller

Einer in diesem perfekt eingespielten Team ist Patrick Unger. Seit 2010 hat der Deutsche seinen Weg durchs Team gemacht und ist jetzt Crew Chief von Jack Miller und für die Kontrolle der technischen Aspekte des gesamten Teams verantwortlich. „Zwischen den Sessions bin ich allgemein für die Technik zuständig – teamübergreifend – aber wenn Jack auf der Strecke ist, konzentriere ich mich nur auf ihn“, beschreibt Unger seine Aufgaben. „Allgemein bedeutet die Arbeit viel Kontakt mit den KTM Mitarbeitern im Werk, entweder um Feedback zu Entwicklungsschritten von Teilen zu geben oder um irgendwas anzufragen.“

Unger ist ein weiterer Ex-Rennfahrer, der auf nationalem und internationalem Level gefahren ist. Er ist ein weiteres Beispiel, dass selbst wenn man im Fahrerlager angekommen scheint, sich Richtung und Art der Arbeit immer wieder ändern können.

„Alle Karrieren verlaufen unterschiedlich“, sagt Unger. „Viele im Fahrerlager sind so wie ich selbst gefahren. Das ist mit Sicherheit von Vorteil für den Job, denn es hilft dabei den Fahrer zu verstehen: was er braucht, was er beschreibt und was er auf dem Motorrad fühlt. Die Entscheidung, mit dem Rennsport aufzuhören, war hart. Eigentlich war es der schwierigste Teil in diesem ganzen Entwicklungsprozess, aber wenn man sich einmal entschieden und damit abgefunden hat, dann beginnt man den neuen Job zu genießen. Sicher ist es in diesem Bereich eine große Hilfe, wenn man sich für Motorsport und noch mehr für Motorräder selbst interessiert. Es muss ein persönliches Hobby sein. Natürlich gibt es viele Weg, um in den MotoGP-Paddock zu kommen, aber es wird immer schwierig sein, wenn man niemanden und vor allem nicht die richtigen Leute kennt.

Patrick Unger: „Viele im Fahrerlager sind so wie ich selbst gefahren. Das ist mit Sicherheit von Vorteil für den Job, denn es hilft dabei den Fahrer zu verstehen.”

Jack Miller & Patrick Unger

Jack Miller & Patrick Unger

Als wir den Catalunya GP besuchen, erleben wir ein geschäftiges und fokussiertes Team, alle ungefähr im selben Alter. „Vielleicht ist es einfacher die gesuchte Einstellung bei jungen Leuten zu finden“, erklärt Ajo. „Sie fangen womöglich als zweiter Mechaniker an und wenn man sieht, dass sie hungrig auf mehr sind und immer mehr lernen wollen und sich Ziele setzen, dann sind das oftmals die besten Leute, denen man letztendlich auch mehr Verantwortung übertragen kann und die eine bessere Position im Team bekommen. Es bedeutet auch, dass sie persönlich wachsen und den Geist des Teams tragen. Wenn du in eine verantwortungsvolle Position kommst, wie z.B. fürs Data Recording, dann müssen wir sicher sein, dass es die richtige Person für den Job ist. Oft wachsen Leute an ihren Aufgaben; wir sind in dieser Hinsicht ein bisschen wie eine Universität und das ist das Beste, vor Ort zu lernen.“

Ajo: Oft wachsen Leute an ihren Aufgaben; wir sind in dieser Hinsicht ein bisschen wie eine Universität und das ist das Beste, vor Ort zu lernen.“

Ok. Ich bin nicht so alt. Ich bin motorsportverrückt. Ich bin bereit für all die Arbeitsstunden und Anforderungen die es braucht, um in einem Grand Prix Team zu arbeiten. Aber bis jetzt bin ich nicht im Fahrerlager angekommen und ich bin auch keine Rennen gefahren. Stecke ich fest? Wenn ich nicht gerade eine Mechaniker-Ausbildung wie bei der Monlau Competition absolvieren will, scheint es als habe ich keine andere Wahl, als zu den Events zu fahren und meinen Namen in die Runde zu werfen.

„Es geht immer um das Netzwerk“, erklärt Ajo. „Das Team in der Spanischen Meisterschaft eingeschlossen, würde ich sagen, sind wir ungefähr 35 Leute und die Gruppe ist noch größer durch die technischen Partner und die Leute vom Werk. Das Netzwerk ist wichtig, denn unsere Mechaniker, Partner oder andere Kontakte kennen meist jemanden, der daran interessiert ist für uns zu arbeiten und der gut für uns sein könnte. So läuft es meistens. Manchmal kriegen wir E-Mails, aber wenn ich keine Empfehlung habe, dann denke ich, bewegen wir uns auf einem zu hohen Niveau, als dass ich auf jede Mail antworte. Ich fände einen Hinweis oder Referenz durch jemanden, den wir kennen besser, dann kann man anfragen und sich unterhalten.“

Patrick Unger & Aki Ajo

Patrick Unger & Aki Ajo

Fotos: www.ktmimages.com