79156_Tixier_MXGP_2013_R16_RX_6974

Einblick in Supercross-Geheimnisse

Supercross ist anders als Motocross. MX2-Vizeweltmeister Jordi Tixier bringt Licht ins Dunkle und erzählt, was es braucht, um Indoor erfolgreich zu sein.

79507_Tixier_MXGP_2013_R17_RX_8271Die KTM 250 SX-F mit der Startnummer 211 flitzte bei vielen Grand Prix-Läufen vorne an der Spitze mit und Jordi Tixier eroberte am Ende den MX2-Vizeweltmeistertitel. Nach dem Saisonhöhepunkt, dem Motocross der Nationen im September, legte sich der 22-jährige Franzose jedoch nicht einfach zum Überwintern aufs Sofa. Stattdessen fuhr Tixier munter weiter und wechselte von Tabletop-Sprüngen, langgezogenen Kehren und ausgefahrenen Spurrillen der MX-Pisten zu überdacht-kompakt-hektisch-sprunggeladenen Supercross-Events. Begleitet von Teammanager Stefan Everts nahm er mit seiner Red Bull KTM zunächst am 31. Bercy Supercross teil. In der pariser Arena  erlebte Tixier sowohl Höhen, als auch Tiefen. Teils brauste er mit stilistischem Speed über die kunstvoll aufgetürmte Piste, die kurze Rundenzeiten um 40 Sekunden erlaubt, teils produzierte er spektakuläre Stürze.

Jordi Tixier: »Letztes Jahr kam Bercy zum falschen Zeitpunkt. Die Vorbereitung auf die nächste MX-Saison ließ zeitlich keine Vorbereitung mit speziellem Supercross-Training zu. Diesmal war das Zeitfenster günstiger, dazu wollte ich unbedingt in Bercy antreten, weil es ein irres Event ist, das mir extrem gefällt. Außerdem wohne ich nur 50 Kilometer entfernt. Vor heimischer Kulisse anzutreten, darf man sich einfach nicht entgehen lassen. Supercross ist spektakulär, die Show superb – die Begeisterung des Publikums hautnah zu spüren, ist einmalig.«

Wir haben Jordi Tixier gefragt, wie sich die Vorbereitungen auf sein SX-Intermezzo gestalten. Hier seine Antworten:

1. Fitness unter anderen Gesichtspunkten
»Man kann das nicht vergleichen. Supercross strengt physisch anders an als Motocross. Es ist kürzer, kräftezehrender, intensiver. Zum Erholen oder Durchatmen bleibt null Zeit. Am Ende der MX-Saison fing ich mit dem Supercrossfahren an und nach drei Runden war ich ausgelaugt, komplett alle. Man muss also speziell trainieren, um dafür gewappnet zu sein. Im Fitnesscenter sollten verstärkt Geräte und Übungen für kurzfristige, aber starke Belastungen gewählt werden. Dazu gilt es, reichlich Fahrtraining einzuplanen, um das Timing in den Griff zu bekommen. Soviel Fahren wie möglich ist überhaupt das beste Supercross-Training. Fahrradfahren und Laufen ist in Ordnung, aber Fahren selbst ist immer noch das Beste, um Herz und Kreislauf in Schwung zu bringen; und auch für die speziell beanspruchten Muskelpartien bei all den Sprüngen und Streckeneigenheiten. Es hat einige Wochen gedauert, bevor ich in der Lage war, 15 SX-Runden am Stück relativ stramm absolvieren zu können. Aber ich werde weiter speziell trainieren müssen, bevor ich in der Lage bin, durchgängig volles Rohr zu fahren. Deshalb lasse ich mir Zeit. Da die GP-Saison eben erst beendet ist, wollte ich in Bercy eher nur Spaß haben, der große Erfolg stand dort nicht im Fokus.«

2. Das Bike richtig präparieren
»Punkto Motor … die Leistungscharakteristik der Werks-KTM 250 SX-F taugt mir ohnehin und ist genau so, wie ich es mir wünsche. Da muss ich mir keine Sorgen machen. Ich arbeite mehr am Federungs-Setup und stelle alles auf härter, weil die Streckeneigenheiten es erfordern, vor allem die Waschbretter. Sonst stimmt das Feeling nicht. Waschbrett-Sektionen gehören zum Schwierigsten überhaupt beim Supercross. Es ist beängstigend, wenn alles außer Kontrolle zu geraten scheint und du eigentlich nichts mehr ausrichten kannst. Andererseits: Wenn alles passt, ist es großartig. Das Tempo ist das Entscheidende, man muss es genau richtig treffen. Ist man zu langsam, trifft man nicht auf die Spitzen. Es erfordert Mut, richtig Gas zu geben und treffgenau förmlich drüber zu schweben, von Anfang bis Ende. Aber auch das Bike muss perfekt dafür abgestimmt sein.«

79156_Tixier_MXGP_2013_R16_RX_6974

3. Luftsprünge genießen
»Daneben gehören vor allem reichlich Sprünge zum Supercross – genau das gefällt mir ja. Man muss gut springen können und sich in der Luft wohlfühlen, sonst sollte man es besser lassen. Man muss extrem konzentriert zu Werke gehen, mehr noch als beim Motocross, um immer exakt die Linien zu treffen. Beim Motocross muss die Linienwahl nicht immer so superexakt stimmen, es sind meist mehrere, die gut funktionieren. Dazu sind die Sprunghügel besser präpariert, auch das ist ein großer Unterschied. In Bercy war der große Sprunghügel ziemlich ausgefahren, das machte es fahrtechnisch noch anspruchsvoller als ohnehin schon. Motocross macht mir eine Menge Spaß, aber nach 17 oder 18 GP-Rennen ist man für ein bisschen Abwechslung natürlich dankbar. Mir machen auch Supercross-Events viel Spaß, auch wenn es mit etlichen Änderungen verbunden ist. Aber genau das macht es ja so reizvoll.«