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Herzstück des Red Bull KTM Ajo Moto3 Teams: Die Werkstatt

Mitten in den Vorbereitungen für die am Wochenende startende MotoGP-Saison, statteten  wir dem vielbeschäftigten Red Bull KTM Ajo Team in der Teambasis in der Nähe von Barcelona einen Besuch ab …

Es herrscht eine fast schon gespenstische Stille in und um das Werk. Die Produktionslinien stehen still. Bis auf den Wachmann ist keine Menschenseele zu sehen. In einem Teil des ehemaligen Derbi-Werkes, ungefähr 10 km außerhalb von Barcelona, herrscht hektisches Treiben. Der katalanische Hersteller stellte seine Produktion an diesem Standort ein und schloss das Werk vor fast 12 Monaten. Seitdem hat das von Aki Ajo geführte Red Bull KTM Team eines der in die Jahre gekommenen Gebäude zu seiner Basis gemacht.

„In Sachen Logistik ist es großartig“, sagt Chefmechaniker Tomas Foncea. „Vorher hatten wir unseren Sitz in Finnland, das war immer ein ziemlich langer weg, aber hier in Barcelona liegen viele Rennstrecken innerhalb eines 1000 km Radius.“

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Der Red Bull KTM Ajo Truck lugt aus einer der Garagen hervor und Tomas führt uns ins Innere der Werkstatt mit den niedrigen Decken und altmodischer Innenausstattung. Das Team ist gerade damit beschäftigt (neben dem Truck steht der weiße Husqvarna-Sattelschlepper) den LKW zu entladen, die Teile liegen verstreut auf dem Werkstattboden. Hier beginnt die Vorstellung von einer makellosen und aufgeräumten Moto3-Box zu bröckeln: Wandverkleidungen, Regale, Kisten und sogar die für Rennwagen typischen Schalensitze, auf denen die Fahrer in der Box sitzen, stehen herum.

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Red Bull KTM Ajo Barcelona 2014

Vollgestopft, provisorisch und alt – so wirkt das Gebäude und die Werkstatt auf den ersten Blick. Schon vor Saisonbeginn war das Team mit den zahlreichen Testfahrten extrem beschäftigt und als wir nun eine der federleichten unlackierten Karbonverkleidungen aufheben, die ordentlich in einer Reihe hängen, wird uns wieder bewusst,  dass die Moto3 mitten in den letzten Vorbereitungen für die 18 Rennen umfassende Weltmeisterschaft steckt.

„Das Gebäude ist alt und ein bisschen klein, aber es ist praktisch und kostet nicht viel“, sagt Tomas, der uns auch erzählt, dass zeitweise 30 Personen verschiedenster Nationalität in der Werkstatt arbeiten. „Wir nutzen diesen Ort als eine Art Basis, wenn das Team gerade nicht bei Tests oder Rennen ist. Man braucht einfach einen Platz, an dem man das Lager wieder auffüllen und sich neu organisieren kann.“

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Als das Derbi-Team (mit dem derzeitigen KTM Testfahrer Joan Olivé) hier noch seinen Sitz hatte, war das Werk schon einmal ein Ort für Triumphe. Ein paar Jahre später, ist es nun das Heim für ein anderes erfolgreiches Team der kleinen Klasse. Man muss nur einmal den Kopf in Aki Ajos leeres Büro stecken und die Sammlung von Trophäen und Champagnerflaschen betrachten, um zu wissen, dass die harte Arbeit des Teams sich auszahlt.

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Red Bull KTM Ajo Barcelona 2014

Jack Miller – neuer Star im Team und unbestrittener Führender bei den Vorsaisontests – kommt für ein Interview und Fotoshooting vorbei. Kurz darauf machen wir uns auf den Weg, um mit ihm Motocross zu fahren, aber zunächst scherzt er noch mit einigen Teammitgliedern und die Atmosphäre ist voller zielstrebiger Effizienz gemischt mit einer gelassenen Bewunderung der Arbeit, des Rennsports und der gesamten Szene.

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Jack Miller Red Bull KTM Ajo Barcelona 2014

In einem Teil der Werkstatt wird gerade eine Werks KTM RC 250 GP demontiert, direkt neben einem Lager voller Ersatzteile und Reifen. Auf der Rückseite des Hauptgebäudes lagern Ersatzrennkombis und anderer Krimkrams. Verglichen mit der Motorsportabteilung in Munderfing, im Nachbarort des KTM Werks im oberösterreichischen Mattighofen, hat die Werkstatt in Barcelona ein anderes Flair. Es ist kein Ort, der vor Spitzentechnik strotzt, eher bewahrt er eine mindestens genauso wertvolle Seite des Rennsports: Die von Geschichte, unermüdlichem Einsatz und dem Gefühl, dass hinter den glänzenden TV-Bildern und dem Glamour der GP-Szene, es am Ende doch harte Arbeit und Hingabe sind, die für den Erfolg wirklich entscheidend sind.