Taichi Tanaka

Interview des Monats: Taichi Tanaka

Nach dem 20. Erzbergrodeo besuchte Taichi Tanaka (32) das KTM Werk in Mattighofen. Der Japaner nimmt seit 2011 am Extrem-Enduro-Spektakel teil und hatte bisher stets das Ziel erreicht.

Sogar beim Debüt am Erzberg, als er in der fünften Startgruppe losfahren musste, beendete er das Rennen – was eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist, denn alle Hänge und kniffligen Passagen sind dann derart verstopft, dass es eigentlich kein Durchkommen mehr gibt. Dieses Jahr hatte Tanaka-san leider Pech – weil ein großer Stein den Kühler zerstörte, sah er erstmals die Zielflagge nicht. Dennoch zeigte er sich gut gelaunt beim Besuch im orangen Stammwerk. Presse/PR Manager Thomas Kuttruf schnappte sich den freundlichen Taichi und schoss für den KTM Blog ein paar Fragen ab.

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Taichi Tanaka

Wann hast du erstmals vom Erzbergrodeo gehört?
„Vor zehn Jahren etwa. Ich hatte einen Clip im Internet gesehen. Ich war sofort begeistert und träumte von da ab, selbst an den Start zu gehen, obwohl ich keine Ahnung hatte, was hier abging und welche Anstrengungen damit verbunden sein würden. Als ich 2011 das erste Mal zum Erzberg kam, war ich weitestgehend ahnungslos. Es würde kurz zuvor einen Prolog geben, mehr wusste ich eigentlich nicht.“

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Dein Erzberg-Debüt verlief aber dennoch erfolgreich?
„Ja. Kann sein, dass ich ein paar Leute überrascht habe. Weil ich überhaupt keinen Schimmer hatte, bin ich im Prolog nur auf Platz 230 oder so gelandet. Das bedeutete, ich würde mit der fünften Startwelle losfahren. Alle die sich auskannten, warnten mich, dass ich eine Zielankunft lieber gleich vergessen sollte. Tatsächlich hatte es bis dato niemand geschafft, sich von so weit hinten über die Distanz zu kämpfen. Alle schlechter als dritte Startgruppe haben eigentlich keine Chance, aber ich habe es trotzdem gepackt. Mein Start klappte super, dann kämpfte ich mich erstaunlicherweise ohne Probleme von Checkpoint zu Checkpoint durch. Ich habe 200 Konkurrenten überholt und bezwang den Berg innerhalb der gesetzten Zeit. Als ich im Ziel ankam, glotzten mich die Offiziellen entgeistert an und sagten: „Wo zum Teufel kommst du jetzt her? Das gibt´s doch gar nicht.“ Zum Glück konnte ich alle Checkpoint-Stempel vorweisen.

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Und dann hat dich der Erzberg nicht mehr losgelassen?
„Genau. Das Erzbergrodeo ist verrückt, aber es ist auch fantastisch. Die Begeisterung sitzt zu tief. Ich habe rasch gemerkt, dass ich mich vorbereiten musste, um besser abzuschneiden. Also habe ich ein Spezialtraining eingelegt, bei meinem neugewonnenen Freund Kurt Caselli. Er war wie ich ein Jahr zuvor als Greenhorn am Erzberg aufgekreuzt. Ich wusste nicht viel über ihn, er war nur total nett und offen und hilfsbereit, ein großartiger Kerl. Kurt hat mich nach Kalifornien eingeladen, dort haben wir zusammen trainiert. Ich habe meine Fahrtechnik eingebracht, er hat mir vermittelt, wie man schnell fährt. Das Ergebnis: Ich startete 2011 am Erzberg aus der ersten Startgruppe und wurde nach einem guten Rennen Siebter! Das sorgte natürlich für Wirbel. Im Jahr darauf haben wir es genauso gemacht. Erst in Amerika trainieren, dann am Erzberg mit der ersten Gruppe starten. Dieses Mal landete ich auf Platz 5! Und auch 2013 wurde ich wieder Fünfter! Deswegen ist der Ausfall dieses Jahr nicht so schlimm, die Gesamtbilanz kann sich immer noch sehen lassen. Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr mein Freund und Trainingspartner Kurt Caselli mir nach seinem tödlichen Unfall fehlt.“

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Du hast jetzt verkündet, nicht mehr beim Red Bull Hare Scramble antreten zu wollen?
„Das stimmt, ja. Ich möchte mich darauf konzentrieren, Offroad Riding in Japan zu mehr Popularität zu verhelfen. Aber man soll ja nie nie sagen, vielleicht sollte ich eines Tages noch einmal starten, speziell nach diesem Ausfall.“

Wie geht es nun weiter mit Taichi Tanaka und dem Erzberg?
„Meine Vision wäre, mehr Leute in Japan für das Offroadfahren zu begeistern. Eine Schule für Youngster gründen, um das Motorradfahren als Fun-Sport zu promoten. Freestyle-Motocross zum Beispiel hat bei uns aus dem Nichts angefangen und ist inzwischen recht populär. Ich möchte mit dem Extrem-Enduro-Sport etwas Ähnliches auf die Beine stellen, am besten in der Nähe oder gleich direkt in großen Städten. Mein Ziel ist, dafür Partner zu finden und möglichst viele junge Leute zu begeistern. Ich möchte, dass Extrem-Enduros beliebter werden bei uns in Japan.“

Fotos: ktmimages.com, Red Bull Content Pool