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Interview mit Roger De Coster

Nicht nur als Betreuer und Teamchef im US-amerikanischen Motocross gilt Roger De Coster als »The Man« schlechthin. Beim Motocross der Nationen in Teutschenthal haben wir den gebürtigen Belgier, der selbst fünf WM-Titel gewonnen hat und inzwischen 69 Jahre alt ist, für ein paar Minuten zum Interview über die AMA-Saison 2013 gebeten.

 

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Die US-Saison 2013 ist Geschichte. Zufrieden mit den Ergebnissen?

De Coster: »Als Team haben uns achtbar geschlagen. Mit drei Fahrern hätten wir fünf Titel erobern können: Drei im Supercross und zwei im Motocross. Am Ende haben wir in allen fünf Klassen die Top Drei erreicht. Wir haben einen Meistertitel und zwei Vizetitel erkämpft, dazu zwei dritte Plätze. Insgesamt bin ich zufrieden. Schade war, dass die Outdoor-Lite-Championship durch die Lappen ging. Ken Roczen war drei Viertel der Saison in Führung, aber nach seinem Sturz in Millville ging es leider bergab. Er war weiter schnell, bekam in den zweiten Läufen jedoch immer Probleme. In Salt Lake City etwa führte er drei Runden vor Schluss mit 15 Sekunden Vorsprung, aber Eli Tomac konnte ihn noch ein- und überholen. Die Saison war nicht optimal, aber noch immer gut. Jetzt schauen wir nach vorne und bereiten uns bestmöglich auf die kommende Saison vor.«

 

Ryan Dungey hat 2012 sensationell den 450er MX-Titel gewonnen. Eigentlich müsstest Du auch zufrieden sein damit, wie sich Ken Roczen and Marvin Musquin bei den 250er MX-Titelfights 2013 geschlagen haben?

De Coster: »Roczen hat Eli Tomac beim Kampf um den West Coast Titel besiegt. Marvin hat  den East Coast Titel nur knapp verpasst. Er gewann vier Rennen, hatte aber beim Auftaktevent einen Hänger, was ihn schließlich den Titel kostete. Beim Finale fehlte Musquin eine Motorradlänge zum Sieg, und zum Titel fehlte nur ein Punkt. In der großen Supercross-Klasse war Ryan Villopoto dieses Jahr sehr stark unterwegs. Unser Ryan (Dungey) hat wirklich alles probiert, aber am Ende waren Villopoto und seine Kawa einen Tick besser als wir.«

 

Wie stand es um die Weiterentwicklung der Bikes? Die 450 SX-F war brandneu letztes Jahr, inzwischen habt Ihr mit luftgefederten WP-Dämpfern und ein paar anderen Sachen experimentiert…

De Coster: »Der Auslöser dafür war eigentlich Villopoto. Er fuhr sehr stark und auch sein Team hat erstklassige Arbeit abgeliefert. Also lag es an uns, einen Schritt zuzulegen. Der luftgefederte Stoßdämpfer hat uns jedoch Kopfzerbrechen bereitet. Ryan war sehr zufrieden mit Fahrverhalten und dem Feeling, nur die Abdichtung war punkto Zuverlässigkeit nicht vollkommen sicher. Deshalb wechselten wir zurück auf konventionelle Federn. Vielleicht haben wir uns damit selbst ein Schnippchen geschlagen. Denn selbst als damit ein Problem auftauchte, konnte Ryan trotzdem noch gewinnen! Ich meine, unser Bike war in einigen Bereichen der Konkurrenz überlegen, in ein oder zwei anderen weniger. Unterm Strich waren wir siegtauglich, Ryan konnte damit indoor wie outdoor etliche Triumphe feiern. Auch mit der 250er KTM wurden im Supercross und im Motocross reichlich Rennen gewonnen. Die Bikes waren nicht superperfekt, aber gut genug, um damit Siege einzuheimsen.«

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Ist Euch bereits klar, was für 2014 verbessert werden kann?

De Coster: »Yeah, bei der Weiterentwicklung liegt der Focus auf den Radaufhängungen. Wir werden Verbesserungen erzielen, ganz sicher. Die Konkurrenten arbeiten allerdings auch daran, ihre Schwachpunkte auszumerzen und Fortschritte zu erzielen. Im Rennsport ist es ja oft so, dass manches bei den anderen besser gelöst scheint; aber schließlich hat jeder ein paar Bereiche, in denen er zu kämpfen hat.«

 

Die Zusammenarbeit mit KTM, über den großen Teich hinweg, und nach den ersten Jahren – wie glücklich bist Du damit?

De Coster: »Die Zusammenarbeit mit Österreich klappt einwandfrei, ich bin damit zufrieden. Unser Input trifft auf offene Ohren, die Reaktionszeiten sind kurz. Ich weiß, dass KTM in  Europa bereits länger im Offroadsport dominiert. Das stellt sich in den USA anders dar. Momentan zählt KTM in Amerika zu den bekannten und namhaften MX-Teams, wir repräsentieren eine von drei Companys, die sich berechtigt Hoffungen auf den Titel machen. Ziel ist natürlich, uns weiter zu verbessern. Es wäre großartig, wenn KTM in Amerika so erfolgreich agieren könnte wie in Europa. Aber das ist nicht so einfach. Es hängt auch damit zusammen, dass wir in den USA pro Jahr zwei Meisterschaften hintereinander bestreiten. Das macht es knifflig, was Entwickeln, Verbessern und Austesten anbelangt. Weil wir fast an jedem Wochenende Rennen zu bestreiten haben.«

 

Wie anstrengend ist es, bei bis zu 32 Rennwochenenden pro Jahr anzutreten?

De Coster: »Die Teammitglieder werden bis die Grenze des Möglichen belastet; mehr möchte ich ihnen nicht abverlangen. Etliche arbeiten bereits sieben Tage die Woche und zwölf Stunden am Tag. Deshalb benötigt die Crew ab und zu auch eine Verschnaufpause. Nach dem Monster Cup können wir hoffentlich ein paar Tage frei nehmen und die Batterien wieder aufladen, um anschließend die Vorbereitungen für nächstes Jahr anzugehen; denn dann soll wieder voll angegriffen werden.«

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Eine Frage zur Motivation: Brennt das Feuer innerlich noch? Speziell nachdem der 450er MX-Titel für KTM letztes Jahr ja bereits erreicht wurde?

De Coster: »Ich fühle mich wohl und geniesse, was ich tue. Es ist unverändert befriedigend, wenn man das entscheidende Quentchen zum Erfolg beisteuern kann, wenn der Level wieder ein Stück angehoben wird oder man dem Fahrer dazu verhilft, sein Potential vollkommener zu nutzen. Deswegen werde ich noch eine Weile dabei bleiben und weiter machen.«

 

Photos: Ray Archer, Simon Cudby