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#Inthisyear 1934: Von der Kfz-Werkstatt zum Motorradhersteller KTM

1934 – Oscar-Preisträgerin Shirley MacLaine wird geboren, Donald Duck hat seinen ersten Auftritt. In Deutschland gibt es die erste Fernsehübertragung und – für die „orange community” natürlich viel bedeutsamer – im oberösterreichischen Mattighofen eröffnet der 25-jährige Hans Trunkenpolz eine Schlosserwerkstatt, aus der später KTM entstehen sollte.

Eigentlich waren die Trunkenpolz eine alte Beamtenfamilie, deren Geschichte sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Im Zeitalter der Industrialisierung aber war Wenzel Trunkenpolz, Hans’ Großvater, von der Mechanik so fasziniert, dass er sehr zum Unmut seiner Eltern das Gymnasium abbrach und statt einer Beamtenlaufbahn eine Schlosserlehre antrat. 1872 machte er sich dann als Hersteller für landwirtschaftliche Geräte selbständig. „Trunkenpolz Maschinen” in Altheim/Oberösterreich besteht als „Trumag” bis heute fort.

Hans Trunkenpolz, der spätere Firmengründer von KTM, wurde 1909 geboren und machte zunächst eine Lehre als Autoschlosser in der Werkstatt seines Onkels. Das wird der Zeitpunkt gewesen sein, an dem Hans merkte, dass er Benzin im Blut hatte. Schon bald startete er bei Motorradrennen und wurde ein erfolgreicher Sandbahnfahrer. 1934 dann der Schritt in die Selbständigkeit – in der ehemaligen Gastwirtschaft „Zum Schwarzen Adler” ihn Mattighofen eröffnete er eine Reparaturwerkstatt für Motorräder und Autos. Seine beiden Meisterbriefe als Maschinen- und Autoschlosser erwarb Hans Trunkenpolz quasi nebenher im laufenden Betrieb seiner Werkstatt.


Die Werkstatt florierte – was lag also näher, zusätzlich eine Vertretung für Neufahrzeuge zu übernehmen. Die Wahl fiel auf DKW. Der seinerzeit größte Motorradhersteller der Welt hatte sich die Rechte für die „Schnuerle Umkehrspülung” gesichert und baute für damalige Verhältnisse hochmoderne und leistungsfähige Zweitaktmotoren. 1938 kam zu den Zweirädern noch eine Vertretung für Opel hinzu, Mitte der Dreißiger Jahre der größte Autobauer Europas.

Fünf Personen standen mittlerweile bei Hans Trunkenpolz auf der Lohnliste. Nachdem kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges noch ein neues Firmengebäude am Mattighofener Mühlweg 2 bezogen worden war, erhielt der Firmengründer die Einberufung zum Militär. Notgedrungen musste seine Frau Elisabeth den Betrieb bis Ende 1943 weiterführen. Hans Trunkenpolz war mittlerweile vom Armeedienst freigestellt worden, weil er für das Militär Lastwagen und Motoren reparieren sollte.

In der Not der Nachkriegszeit  bestand zunächst ein großer Bedarf an Lastwagen, um die Bevölkerung mit dem Nötigsten zu versorgen. Auf der anderen Seite standen nicht genügend fahrbereite LKW zur Verfügung, weil diese im Kriegseinsatz beschädigt worden waren. Wie in den Anfangsjahren lag der Schwerpunkt im Trunkenpolz’schen Betrieb nun wieder bei der Fahrzeugreparatur. Mit 35 Beschäfigten entwickelte sich der Betrieb rasch zu einer der größten Reparaturwerkstätten in Oberösterreich. Durch die Kriegsschäden bei den Fahrzeugherstellern war die Versorgung mit Ersatzteilen immer noch nicht in Schwung gekommen, so dass Trunkenpolz aus der Not eine Tugend machte und die am dringendsten benötigten Ersatzteile im eigenen Betrieb selbst anfertigte.
10132_Hans_Trunkenpolz_and_sister_Wanderer_bike_10241948 wurde der Betrieb um eine Gesenkschmiede und eine Gießerei erweitert. Gleichzeitig spezialisierte sich Trunkenpolz auf die Serienfertigung von Kurbelwellenlagern. Das schaffte natürlich auch neue Arbeitsplätze. Seit Kriegsende hatte sich die Belegschaft auf 70 Mann verdoppelt.

Dann zeichnete sich auch in Österreich das beginnende Wirtschaftswunder ab. Nicht zuletzt durch den Marshall-Plan kam die Industrie schnell wieder auf die Beine, allerdings mit der negativen Folge für Trunkenpolz, dass die Reparaturaufträge für die LKW immer weiter zurück gingen und nur noch die Ersatzteilfertigung Geld in die Kasse brachte. Kein Wunder, dass Trunkenpolz sich nach dem Wegfall der Einnahmen durch die Reparaturwerkstatt nach einem neuen zweiten Standbein umsehen musste. Da kam der Wunsch der Bevölkerung nach einem eigenen motorisierten Untersatz gerade recht.

Weil die wenigsten sich in dieser Zeit aber ein Auto leisten konnten, entschied sich Trunkenpolz dazu, ein leichtes Motorrad zu konstruieren. Erfahrungen mit Motorrädern hatte er in der Vorkriegszeit als DKW-Händler ja genug gesammelt. Die Eckpunkte waren schnell festgelegt – es sollte ein „richtiges Motorrad” mit Fußrasten werden,  ohne den von den Motor-Fahrrädern her bekannten Pedalantrieb. Da bot sich der 98 ccm-Rotax-Motor mit Seilzugstarter geradezu an, der im nicht weit entfernten Gunskirchen gebaut wurde. Als das Motorrad 1953 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, tauchten auch erstmals die drei Buchstaben „KTM” auf – Kraftfahrzeuge Trunkenpolz Mattighofen.

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Fotos: F. Ehn/ ktmimages.com