KTM 450 SX-F Factory Edition

Ken Roczens 450 SX-F: Feinschliff im Detail

Gibt es Unterschiede zwischen der 450 SX-F von Ken Roczen und normal käuflichen Bikes, die beim KTM Händler stehen? Ja, aber sie sind geringer, als viele glauben. Im Wesentlichen sind es fünf Bereiche, die für den Deutschen optimiert werden.

Kelly Lumgair & Ken Roczen KTM 450 SX-F Factory Edition Kelly Lumgair & Ken Roczen Kelly Lumgair & Ken Roczen KTM 450 SX-F Factory Edition Kelly Lumgair & Ken Roczen KTM 450 SX-F Factory Edition
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Kelly Lumgair & Ken Roczen KTM 450 SX-F Factory Edition

Zweifellos ist Ken Roczen die Entdeckung der AMA Supercross-Saison 2014. Der deutsche Überflieger konnte in seiner Rookie-Saison in der großen Klasse bereits zwei Events gewinnen und dazu etliche Podestplätze erobern. Derzeit liegt das Supertalent auf Platz 4 der Meisterschaft. Wir sprachen mit Roczens Mechniker Kelly Lumgair über die veränderten Details im Vergleich zu einer serienmäßigen KTM 450 SX-F. Im Wesentlichen betreffen die Änderungen fünf Bereiche …

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KTM 450 SX-F Factory Edition

1) Räder mit Speichenfelgen von Kite
„Die Felgen von Hersteller Kite sind einen Tick leichter. Gewicht ist immer ein Thema, weil wir das Bike immer so leicht wie möglich machen wollen, ohne deshalb Kompromisse bei der Zuverlässigkeit befürchten zu müssen. In Sachen Beanspruchung bei der Festigkeit gibt es Unterschiede bei Supercross and Motocross; ich denke, das Letzteres höhere Ansprüche stellt. Wenn man die Maschinen nach jedem Rennwochenende zerlegt und durchcheckt, ist klar, dass Belastung und Verschleiß beim Motocross höher sind. Beim Supercross sind die Whoop-Sektionen besonders anspruchsvoll, sie zerhämmern das Material fast bis an die Grenze des Biegeverhaltens. Wir stimmen die Federlemente deshalb vergleichsweise hart ab. Das hilft, die Belastungen besser zu verkraften. Wir gehen mit drei Radsätzen für Vorder- wie Hinterrad in eine Supercross-Saison, nicht anders als beim Motocross. Damit kommen wir problemlos durch.”

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KTM 450 SX-F Factory Editon

2) Sitzbank von Sella della Valle
„Der Tausch der Sitzbank trägt dazu bei, Gewicht zu sparen. Das kann bis zu einem halben Kilo reichen. Auch der Bezug ist ein spezielles Factory-Teil, wir beziehen es direkt von Sella Della Valle. Der spezielle Bezug verhilft Ken zu besserem Halt, wenn er sich wegen der Gewichtsverlagerung auf dem Motorrad hin und her bewegt. Das ist auch beim Start eine Hilfe, wenn die Power auf einen Schlag einfährt und er nach hinten zu rutschen droht. 2013 war Kens Sattel mit einem Hump versehen. Aber heute nicht mehr. Bewegungsfreiheit war ihm auf der 450er letztlich wichtiger, deswegen wurde auf den Hump verzichtet.”

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3) Auspuffsystem von Akrapovic
„Auspuff und Krümmer von Akrapovic erlauben den besten Kompromiss aus Power und Geräuschvorschriften. Akrapovic zählt in Sachen Qualität und Verarbeitung zur absoluten Weltklasse, auch das Titanmaterial oder die Schweißnähte können sich sehen lassen. Das Supercross-Reglement setzt Sound-Grenzen, diese einzuhalten und viel Leistung zu haben, ist nicht einfach. Mit Akrapovic holen wir das Maximum heraus. Zu Saisonbeginn haben wir unterschiedliche Anlagen ausprobiert, am Ende haben Ken und Ryan Dungey sich für die gleiche Ausführung entschieden. Beide ziehen kraftvollen Durchzug und Punch aus dem Drehzahlkeller gegenüber Spitzenleistung vor. Damit fallen ihnen gute Zeiten leichter, auf eine Runde, wie auch über eine Renndistanz.”

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4) Vorderradbremse serienmäßig
„Ken wünscht sich ein gutes, direktes Gefühl bei der Vorderbremse. Die Serienkomponenten wie Bremszylinder und Bremszange vermitteln ihm genau das. Dungey verwendet eine Factory-Bremszange, die progressiver Druck aufbaut. Damit muss er weniger Kraft am Handhebel ausüben, um die Bremskraft zu verstärken. Ken schätzt es, wenn gefühlsecht linearer Druck aufgebaut wird. Klar könnten wir mit diversen Bremspumpen und Bremszangen mit unterschiedlichen Kolbendurchmessern variieren. Die Serien-Konfiguration besteht aus einer Vorderradzange mit eher kleineren Kolben in Kombination mit einer Handpumpe größeren Durchmessers. Damit fährt Ken am Liebsten, weil das Feeling für ihn stimmt. Modifiziert sind nur die Handschützer, die aus Karbon gefertigt sind. Je nach Strecke können diese recht schnell verschleißen, manchmal schon nach einem Event. Was aber nur zeigt, dass die Wirkung von Hand-Protektoren hoch und auch tatsächlich notwendig ist.”

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5) Werks-Motorenpower
„Ken nutzt keine hohen Drehzahlen. Er bewegt das Bike im unteren und mittleren Bereich des Drehzahlbandes. Er ist happy, wenn die Kraft aus dem Drehzahlkeller abrufbar ist. Und er steht auf sanftes Ansprechverhalten. Das hat mit seinem Fahrstil zu tun. Er bewegt das Bike sehr gefühlvoll. Er dreht praktisch nie superhart das Gas auf. Wahrscheinlich weiß er gar nicht, wie sein Motorrad bei hohen Drehzahlen anreisst, weil er diese nie nutzt. Wir testen die Motoren auch am Prüfstand und glauben, mit unserem Set-up seinem Geschmack recht nahe zu kommen. Eine gute Abstimmung hängt von mehreren Faktoren ab – Zündung, Mapping, Einspritzung, Auspuff-Gegendruck usw. Alles geht Hand in Hand. Heuzutage existieren etliche technische Möglichkeiten zur Feinabstimmung. Die Kupplung ist ein Teil von Hinson. Die Kurbelwelle präsentiert sich leicht modifiziert. Unsere Motoren operieren am oberen Leistungslevel. Deshalb gilt es hauptsächlich die Zuverlässigkeit sicher zu stellen. Das gelingt mit den Serienteilen sehr gut. Nur bei bestimmten Konstellationen bemühen wir uns um Alternativen. Die Triebwerke werden nach jedem Rennwochenende zerlegt und durchgecheckt. Für alle Teile gibt es fixe Laufzeiten. Erst wenn diese erreicht sind, werden Neuteile eingesetzt.”

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Fotos: Ray Archer