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Kolumne: Verdammt heisse Aufholjagd – die KTM Beast-Boys beim 6-H-Rennen in Oschersleben

Nach einem erfolgreichen Auftritt beim 7-Stunden-Rennen Ende April, zog es die KTM Beast-Boys erneut auf die Rennstrecke. Mit ihren KTM 1290 SUPER DUKEs startete das orange Team beim 6-Stunden-Rennen in Oschersleben.

Verdammt, verdammt. Spalter 5 (alias Oliver) stiert an der Boxenmauer auf den Zeitenmonitor, die Stoppuhr in der Hand. Seit Stunden brät das Strategie-Superhirn in der Sonne, reicht mit der Anzeigetafel Infos an die drei Beast-Boys-Fahrer und dirigiert die Boxencrew. Jetzt in der Schlussphase tänzelt er angespannt hin und her, checkt und rechnet und kalkuliert jede Runde, wobei absolut glasklar ist, dass es verdammt knapp enden wird.

Draußen reitet Rakete, der ebenfalls Oliver heißt, eine irre Aufholjagd mit seiner 1290 SUPER DUKE R, haut eine Bestzeit nach der anderen raus und holt Stück um Stück auf. Knisternde Hochspannung liegt in der Luft. Es geht um alles, um den dritten und letzten ehrenvollen Platz auf dem Podest in der großen Klasse. Die Beast-Boys fighten gegen das Outdoor-Unlimited-Team, welches sich aus zwei Vierzylinder-Kühen und einem grünen Cruise-Missile zusammen setzt.

Oliver "Rakete" Schmidt KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias Oliver "Rakete" Schmidt KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias Oliver "Rakete" Schmidt KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias Oliver "Rakete" Schmidt KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias
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Oliver "Rakete" Schmidt KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias

Unfassbar, wie dramatisch sich die Lage zugespitzt hat. Zuvor hatte das KTM Trio noch sicher Rang 3 in der großen Klasse inne und die Außentürler lagen eine Runde zurück, weil es Toni Heiler, Deutschlands dienstältester (und immer noch sauschneller) Rennfahrer überhaupt, bereits früh zerbröselte – out mit Fingerverletzung. Einen ungeplanten Boxenstopp von Jeremy McWilliams und zwei Pacecar-Phasen später, deren Timing aus oranger Sicht sehr unglücklich verlief, freut sich das verbliebene Outdoor-Fahrerduo Stephan Herter/Thomas Jansen plötzlich über eine Runde Vorsprung. Alarm, Alarm! Das Superhirn reagiert sofort und schickt die Rakete mit dem Auftrag einer hemmungslosen Aufholjagd, flat-out all the way, auf den letzten Stint.

Spalter 5, aktiver Duke-Battler, fiebert mit, fuchtelt anfeuernd bei jeder Passage mit der Faust in der Luft, rattert am Schutzgitter, rauft sich die Haare, verdreht die Augen, fleht zum Himmel. Die brüllende Orange mit der Startnummer 24 kommt dem verfolgten grünen Projektil, das sich tapfer wehrt, immer näher, beißt zwei bis vier Sekunden pro Runde ab, der Abstand schrumpft und schrumpft … , aber es geht sich nicht aus. Als die Zielflagge fällt, ist die eine Runde Rückstand bis auf 15 Sekunden reduziert und aufgeholt. Nur wenig Fahrzeit fehlt, zwei oder drei, vielleicht vier Runden zusätzlich. Nix ist mit dem letzten ehrenvollen Podestplatz. Verdammt.

Spalter 5 (alias Oliver) DLC Oschersleben © Buenos Dias Spalter 5 (alias Oliver) DLC Oschersleben © Buenos Dias
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Spalter 5 (alias Oliver) DLC Oschersleben © Buenos Dias

Natürlich war es am Ende doch schön. Ein geiles Rennen zur DLC, dem Deutschen Langstrecken Cup. Sechs Stunden volles Rohr. Kämpfen bis zur letzten Patrone. Höhen und Tiefen durchreiten. Problemchen aus dem Weg räumen. Jede Menge Spaß haben. Tapfer und engagiert das Beste geben. Mehr kann man ohnehin nicht tun. Ein, zwei Bierchen später ist auch der Pokal für Platz 4 in der Klasse (Platz 5 gesamt) eine Trophäe, die in Ordnung geht und gerne genommen wird.

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KTM Beast Boys Oschersleben © Buenos Dias

Das KTM Beast-Boys-Team mit Thomas „Kutti“ Kuttruf, Oliver „Rakete“ Schmidt und Jeremy McWilliams trat, wie die meisten DLC-Teilnehmer, mit drei Bikes an, beim Boxenstopp wird dann nur der Zeitnahme-Transponder umgesteckt. Alternativ kann in der One-Bike-Klasse ein Bike eingesetzt werden, bei dem dann klassisch à la Endurance zum Fahrerwechsel aus Kannen an der Box aufgetankt wird, wobei fallweise auch die Räder noch gewechselt werden.

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McWilliams & Rakete KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias

Wenn gleich drei SUPER DUKE R-Renner racefertig präpariert auf orangen Teppichen in der Box nebeneinanderstehen, ergibt sich ein herzerwärmend schönes Bild. Obwohl der schöne Schein auch manche Orga-Hürde übertüncht. Für das Oschersleben-Event am Samstag trudelten Kutti und Rakete mit den drei 1290ern im Transporter erst am späten Freitagabend aus Mattighofen ein. Wie es halt manchmal so ist: Die Bikes waren zwischendurch für Testzwecke an Redaktionen ausgeliehen und für Fotoshootings irgendwo am Ende der Welt für den nächsten PowerParts-Katalog unterwegs.

KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias
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KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias

Just-in-Time-Rückgabe und lange Anreise hatten zur Folge, dass an den auf Serienspezifikation rückgebauten Bikes noch etliche Kleinigkeiten gerichtet werden wollten. Lenker und Armaturen passten nicht mehr. Kühlerschutzgitter waren demontiert. An Jeremys Bike war das Polster der Sportsitzbank rundum angenagt (mysteriös!), für den Seriensitz fehlten die Halter am Tank. Und so weiter und so fort.

Und außerdem: Was für Öl ist denn da jetzt drin? Weshalb ist das Setup verdreht? Warum sind die Halterungen für die Transponder demontiert? Wer fährt den Start? Wieso sind eigentlich die Bridgestone-Aufkleber alle abgezogen? Haben wir keine neuen? Was, die liegen in Mattighofen? Na, da werden die Reifengötter, die die Beast-Boys großzügig mit Gummi unterstützen, aber sehr amused sein. Verdammt. Verdammt.

Jeremy McWilliams KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias Jeremy McWilliams KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias Jeremy McWilliams KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias Jeremy McWilliams KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias
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Jeremy McWilliams KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias

Logistisch brauchen sich die B-Boys aber nicht zu verstecken. Jeremy McWilliams ist über Berlin aus Schweden angereist. Der ehemalige GP-Profi hat dort für KTM Nordic mit einer KTM 690 DUKE an einem 4-Stunden-Rennen teilgenommen. Nach Oschersleben wird er nach Indianapolis weiterreisen und dort – humm – im Harley-Cup für einen US-Dealer am Quirl drehen. Letztes Jahr hat er dort gewonnen. Kutti, PR-Manager in Mattighofen, kommt eben aus dem Pulverdampf, den der verkündete MotoGP-Einstieg von KTM für 2017 ausgelöst hat. Nur Olli, die Rakete aus dem schönen Wuppertal, genießt irgendwie so etwas wie Urlaub. Er hat seine Familie mitsamt Kids einfach bei den Kuttrufs in Österreich deponiert.

Am Renntag wird alles gut. Ein anderes Team kann mit Brückenstein-Aufklebern aushelfen (uff!). Das einstündige Training am Morgen verläuft geschmeidig für das Beast-Trio. Nur Jeremy muss die Strecke erst lernen. Olli fährt den Start, Jeremy übernimmt Stint 2, dann klettert Kutti in den Sattel. Alles läuft glatt, nur das Setup muss bei Rakete angepasst werden, bei höheren Temperaturen über Mittag kämpft er plötzlich mit Fahrwerks-Stempeln. Das Gros des Starterfeldes sitzt auf verkleideten Vierzylinder-Rennsemmeln aller Hubraumklassen. Zu sehen, wie die 1290 SUPER DUKE dank mächtiger Twin-Power über die kurvenreiche Piste in der Magdeburger Börde bügelt, ist die reine Freude. Der Druck aus den Kurven ist hammerhart, immer wieder wird irgendwer einfach ausbeschleunigt. Gas auf und vorbei!

Thomas "Kutte" Kuttruf KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias Thomas "Kutte" Kuttruf KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias Thomas "Kutte" Kuttruf KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias Thomas "Kutte" Kuttruf KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias
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Thomas "Kutte" Kuttruf KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias

In der Hitze des Gefechts reißt Kuttis Stiefel-Schleifschutz ab. Typisch für die Duke-Battler, die erst einen Tag später ihr Rennen fahren, aber natürlich helfend in der Beast-Boys-Box herumlungern: Tanker Huby kreiert einfallsreich eine Lösung, Montageständer-Gott Klitschko setzt es handwerklich um. So klebt alsbald ein Stück zersägte Suzuki-Bremsscheibe, per Spezialkleber fixiert, als Schleifschutz auf dem Alpinestars-Treter – und wird wohl ewig halten.

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Kutte Oschersleben © Buenos Dias

Die ersten vier Stunden pendeln die Beast-Boys zwischen Platz 3 und 5. Im Feld passieren etliche Stürze, mehrfach rückt das Pacecar aus. Kuriose Szenen spielen sich ab: Eine havarierte Maschine fängt nach dem Aufladen auf ein Rettungsfahrzeug Feuer, das Löschmittel läuft auf die Piste – die Reinigung sorgt für weitere Verzögerungen. Zwei Mannschaften brettern vorne auf und davon. HPC-Power-Suzuki und Steeldesign-BMW, die zu den erfahrenen, eingespielten Teams zählen, schlagen ein unbarmherziges Tempo an und landen in dieser Reihenfolge nach sechs Stunden auch im Ziel. Dahinter die Grebenstein-Truppe auf ihrem italienischen V4, die zusätzlich den Klassensieg in der One-Bike-Endurance-Wertung abräumt.

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McWilliams KTM 1290 SUPER DUKE R Oschersleben © Buenos Dias

Gleich dahinter hätte schon das KTM Trio ins Ziel schmettern können. Man beachte den Konjunktiv. Aber, verdammt, die Outdoorler haben es verhindert. Egal: Gratulation und much respect an alle. Drehmomentstarkes Danke auch für die, die in der orangen Box mitgeholfen haben: Teamchef Konrad „Wuschel“ Schittko, Mechaniker „Bagger“, Superhirn „Spalter 5“, Tanker Huby und alle anderen liebenswert Verrückten aus der Duke-Battle.

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KTM Beast Boys Oschersleben © Buenos Dias

Fotos: Buenos Dias