Warenausgang | Shipping Area

KTM Teilezentrum: Teilenachschub für die orange Welt

Wer Motorräder baut und weltweit verkauft, muss auch die Versorgung mit Ersatz- und Verschleißteilen für die Kunden sicherstellen. Das KTM Teilezentrum gibt Vollgas, um mit den stetig wachsenden Verkaufszahlen Schritt zu halten.

Mattighofen, KTM Straße 1. So lautet die Adresse des KTM Teilezentrums, das am Stadtrand nicht zu übersehen ist. Der moderne Komplex wurde 2007 gebaut, aber die Lagerfläche wurde bereits Ende 2012 von 10.000 auf 16.000 Quadratmeter vergrößert. Das entspricht ungefähr der Fläche von zweieinhalb Fußballplätzen. 130 Personen arbeiten hier in zwei Schichten, 80 im Lagerbereich, 50 in der Administration. Auch die Büros für die Bereiche KTM PowerParts und PowerWear sind dort untergebracht.


Das KTM Teilezentrum stellt die weltweite Versorgung mit Ersatz- und Verschleißteilen für die Kunden sicher. Ob Rahmen, Schalthebel oder Motorgehäuse, ob Luftfilter, Bremsbelag oder Wasserpumpendeckel-Dichtung – sämtliche Bauteile aller aktuell produzierten Modelle, bis hin zur kleinsten Schraube, sind hier in Österreich eingelagert, um auf Bestellung an Händler und Importeure versendet zu werden. Auch für die Modelle, die nicht mehr in Produktion sind, werden Teile aufbewahrt – mindestens 10 Jahre lang.

Die Geschwindigkeit, mit der Aufträge abgewickelt werden, grenzt an Zauberei. Bestellungen, die bis 11 Uhr eingehen, werden noch am gleichen Tag bearbeitet und verschickt. So erhalten Händler in Europa die Ware im Laufe des folgenden Tages. Auch die Verfügbarkeit ist beeindruckend: 98 Prozent aller Bestellungen können sofort ausgeliefert werden.

Weit über 40.000 verschiedene Teile und Artikel sind eingelagert. Viele davon in zwei- oder dreistelligen Mengen. Pro Jahr werden sage und schreibe drei Millionen Auftragsposten abgearbeitet – das macht im Schnitt 11.000 Artikel pro Tag, die zusammengestellt, verpackt und verschickt werden. Professionelle Logistiker reden dabei von „Auftragszeilen“ (die pro Artikel am Computer-Bildschirm auftauchen), aber das nur am Rande.

Weit über 40.000 verschiedene Teile und Artikel sind eingelagert. [...] Pro Jahr werden sage und schreibe drei Millionen Auftragsposten abgearbeitet – das macht im Schnitt 11.000 Artikel pro Tag.

Palettenlager | Pallet Stores Palettenlager | Pallet Stores
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Palettenlager | Pallet Stores

In der weitläufigen Halle gibt es verschiedene Bereiche. Einen Teil der Fläche nehmen imposante Palettenlager ein, die bis unters Dach reichen, für eher große und sperrige Artikel sowie Übermengen. Für „Langsamdreher“, also weniger gefragte Teile oder von älteren Modellen, gibt es einen Bereich im zweiten Stock. Ein weiterer Bereich, ein Labyrinth eng angeordneter und prall gefüllter Regale, ist Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben und einer unendlichen Zahl von Kleinteilen vorbehalten. Wer sich hier auskennt und arbeitet, zählt zu den absoluten Know-how-Spezialisten mit fotografischem Gedächtnis.

„Pick by Light“ „Pick by Light“ „Pick by Light“
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„Pick by Light“

Übersichtlicher geht es im sogenannten Durchlaufregal zu, in dem häufig gefragte Artikel und Verschleißteile, die „Schnelldreher“, an festen Plätzen gelagert sind. Hier laufen Sammelschalen zur Kommissionierung auf einem Transportband vorbei, an sechs Stationen, die jeweils mit einer Person besetzt ist. Die Schalen sind mittels Barcode-Scan mit jedem Auftrag verknüpft. Ein computergesteuertes System sorgt dafür, dass an den Regalen jeder Station bei den jeweils georderten Artikeln eine Lampe aufleuchtet und auf einem Display daneben die bestellte Stückzahl. Dieses zeitsparende System, das die Arbeitskräfte unterstützt, den entsprechenden Artikel zu finden und in die Sammelschale zu legen, nennt sich „Pick by Light“.

KTM Teilezentrum | KTM Spare Parts Cener Wareneingang | Goods Input
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KTM Teilezentrum | KTM Spare Parts Cener

An der Frontseite des Teilezentrums sind Bereiche mit Schleusen und Rampen für den Ein- und Ausgang der Waren. Zwischen 50 und 300 Paletten mit Nachschub trudeln täglich per LKW ein. 85 % der Artikel werden von den Lieferanten bereits in KTM Verpackungen und mit Barcodes und Teilenummern fertig etikettiert geliefert, also quasi „Ready to Send“. Nur 15 % werden lose eingelagert und müssen vor dem Versand extra verpackt oder eingetütet werden, meistens Kleinteile wie Schrauben,  Gummis oder Dichtungen.

In der Mitte der Halle sind Gitterwände, die eine Art überdimensionalen Käfig abteilen. Hier werden Luftfracht-Sendungen bearbeitet, die von speziell geschulten Mitarbeitern nach exakt einzuhaltenden Regeln verpackt werden. Für Luftfracht-Pakete kommen spezielle Kartons mit Security-Klebeband zum Einsatz. So wird sichergestellt, dass kein Unbefugter Ware entnehmen oder hinzufügen kann. Als Gefahrgüter eingestufte Artikel wie Batterien, Kleber, Lacke oder Spraydosen müssen separat verpackt werden. Der Abtransport wird von zertifizierten Unternehmen bewerkstelligt. All das ist notwendig, damit das Frachtgut an den Flughäfen ohne Security-Scans und weitere Checks verladen werden kann, was viel Zeit spart.

Luftfracht | Airfreight Reklamation | Claims
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Luftfracht | Airfreight

Für Reklamationen gibt es eine Retourwaren-Abteilung, die aber relativ klein ausfällt. Eine Dame bearbeitet und checkt hier zurückgesendete Waren, sorgt für Ersatz oder die Rückeinordnung in den Bestand. Natürlich können Händler irrtümlich oder falsch georderte Ware gegen Gutschrift retournieren, erhoben wird jedoch eine 15-prozentige Bearbeitungsgebühr. Wobei es aber auch vorkommen kann, dass diese aus Kulanz einfach entfällt.

Das Ambiente im KTM Teilezentrum ist überaus geschäftig. Insgesamt 25 elektrisch betriebene Gabelstapler, Hubwagen und Kommissionier-Schleppfahrzeuge flitzen durch die Regale. Unentwegt greifen etliche  Lagerarbeiter Artikel ab oder lagern Kisten und Paletten um. Antriebe surren, Handscanner piepen, überall ist Bewegung drin.

Im Palettenlager wird nach dem sogenannten „chaotischen Lagersystem“ verfahren. Das heißt: Neue Ware wird jeweils dort eingelagert, wo Platz ist. Vernetzte Computer, Warenwirtschafts- und Lagerprogramme behalten den Überblick und zeigen dem Personal über Displays, was wo gelagert und abzugreifen ist.

Packstation | Packing Station Packstation | Packing Station
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Packstation | Packing Station

Die kommissionierten Artikel für jede Bestellung laufen an 24 Packstationen zusammen. Hier wird sorgfältig verpackt. Dabei werden alle Artikel zwecks Überprüfung der Vollständigkeit erneut einzeln gescannt. Das hilft, die Übersicht und die Fehlerquote niedrig zu halten. Auch die Rechnungsstellung erfolgt anschließend automatisch über das Computersystem. Statistisch bemerkenswert: Jährlich werden an den Packtischen von den Lagerarbeitern insgesamt 2.500 km Klebeband verbraucht.

Jährlich werden an den Packtischen von den Lagerarbeitern insgesamt 2.500 km Klebeband verbraucht.

Im Schnitt kommen pro Tag 1.000 Pakete für die Händler mit Ersatz- und Verschleißteilen sowie PowerWear und PowerParts zusammen, je nach Jahreszeit und Auftragslage oft auch deutlich mehr. Die Bearbeitung umfangreicher Sammelbestellungen für Importeure und Tochterfirmen (wie etwas KTM USA) erfolgt separat an eigenen Stationen. Die Größenordnungen sind beachtlich: Dass z.B. nach Australien Aufträge mit 20 oder 25 Paletten auf einen Schlag zusammen kommen, ist nicht ungewöhnlich.

Für Seefracht gibt es wiederum eigene Packbereiche. Auch hier werden die Artikel vor dem Einpacken in robuste Transportkisten erneut gescannt, so dass die Mitarbeiter im System an Monitoren sehen können, was bereits kommissioniert, bereit zum Verpacken oder schon gepackt ist. So bleiben alle Schritte stets nachverfolgbar.

Warenausgang | Shipping Area Warenausgang | Shipping Area
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Warenausgang | Shipping Area

Alle Sendungen und Pakete im Teilezentrum landen schließlich im Warenausgang. Überall türmen sich hier abholbereit gepackte Kisten und Kartons auf. Falls notwendig, werden auf der „Clearing Station“ auch noch Zollformalitäten erledigt. Transporter und LKWs holen die versandfertig sortierten Sendungen ab, wobei mit praktisch allen international namhaften Kurier- und Transportfirmen zusammengearbeitet wird.

Wie aufwendig und reibungslos die Logistik bei KTM funktioniert, ist beeindruckend. Aber auch absolut notwendig. Schließlich ist nichts für Kunden ärgerlicher, wenn die Maschine nicht genutzt werden kann, weil Ersatz- oder Verschleißteile fehlen oder nicht lieferbar sind. Dass genau das in der orangen Welt nicht passiert, dafür sorgt jeden Tag auf´s Neue das KTM Teilezentrum in Mattighofen.

Fotos: Buenos Dias