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Panini Tour: Quer durch´s Kiwi-Land

Was liegt genau auf dem Weg von Australien nach Alaska? Neuseeland – ein wahres Motorradparadies: abwechslungsreiche Landschaften, Kurven, Kurven, Kurven, so gut wie kein Verkehr, wunderbares Essen und eine extrem entspannte Bevölkerung, übrigens die friedlichste auf der Welt.

Unsere beiden KTM 1190 ADVENTURE R wurden mit frischem Öl, neuen Luftfiltern und Reifen ausgestattet und so konnte es ab Auckland gleich losgehen. Neuseelands Rally-Ass Chris Birch ließ es sich nicht nehmen, uns die schönsten Offroadpisten vor seiner Haustüre zu präsentieren. Auf der Halbinsel Coromandel kurvten wir einen ganzen Tag durch rot blühende Pohutukawa-Wälder (Neuseelands Weihnachtsbaum), entlang schroffer Küstenlandschaften durch grüne Felsen bis zum nördlichsten Ende. Abends zur Belohnung lokale Spezialitäten: geräucherte Muscheln, dazu neuseeländischen Weißwein.

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Ein Stück südlicher liegt Rotorua, die Hauptstadt von Vulkanland. Hier kann man sich dem Erdinneren richtig nahe fühlen: rauchende Erdspalten, blubbernde Schlammteiche und Geysire, Löcher mit siedendem Wasser – dazu giftgelber Schwefelgeruch. Es ist ein echter Genuss, nach einem langen Fahrtag, in einem heißen Thermalwasserbecken zu relaxen!

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Die Nordinsel ist Maori-Siedlungsgebiet; hier kann man die Kultur der Ureinwohner kennenlernen. Haka, ihr Kriegs- und Begrüßungstanz mit kräftigen Körperbewegungen und fürchterlichen Grimassen, wirkte auf uns unterhaltsam respekteinflößend. Interessant fanden wir auch die Maori-Tattoos – sie erzählen die Familiengeschichte des Trägers oder der Trägerin. In vielen Dörfern sieht man prächtig verzierte Maori-Versammlungshäuser (Marae), die bis auf wenige Ausnahmen von Touristen nicht betreten werden dürfen.

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Überhaupt erlebten wir einen großen Gegensatz zwischen den Aborigines in Australien ­– oft isoliert und alkoholisiert am Rand der Gesellschaft – und Neuseelands Maori, die gut integriert, selbstbewusst und seit einigen Jahren auch mittels eigenem TV-Sender großen Wert auf die Bewahrung ihrer eigenen Sprache und Kultur legen.

In der Maorisprache heißt Neuseeland „Aotearoa“ (übersetzt „Land der großen weißen Wolke“) – völlig nachvollziehbar, denn an Wolken mangelt es in Neuseeland wahrlich nicht. Aber wenn man die Reiseroute geschickt und flexibel genug gestaltet, muss man gar nicht oft nass werden. Wolkenlos präsentierte sich der Pistenabstecher zum östlichsten Punkt Neuseelands. Ein einsamer Leuchtturm an einer wilden Küste blickt auf die nahe gelegene Datumsgrenze und das ziemlich weit entfernte Chile.

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Weiter Richtung Süden erfreuten wir uns an einigen Neuseeland-Klischees: Kurvige Landstraßen durch grasgrüne Hügellandschaften mit tausenden Schafen und Kühen; einsame Sandstrände, die nur darauf warteten, von unseren stoppeligen Hinterreifen kräftig umgedreht zu werden; urige, sehr britische Pubs mitten im Nirgendwo mit Bier zum Selberzapfen; und schließlich die Ortschaft mit dem längsten Namen der Welt.

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Von „Windy Welly“, der windigen Hauptstadt Neuseelands mit dem empfehlenswerten Te Papa Museum (inklusive Erdbebensimulator) setzten wir mit der Fähre auf die Südinsel über. Diese wird beherrscht von den neuseeländischen Alpen, eine wunderbare Kulisse der westlichen Küstenstraße, für die wir auch einiges an Zeit eingeplant haben. Eingezwängt zwischen Hochgebirge und tasmanischer See schlängelt sich diese vorbei an kuriosen Felsformationen, Seelöwenkolonien und dichten Farnwäldern bis zu den höchsten Erhebungen Neuseelands.

Mit 3.754 m ist der Mount Cook der höchste Punkt des Landes. Wir erleben die vereiste Spitze aus dem Cockpit eines Hubschraubers, den wir für zwei Stunden mit dem Sattel unserer ADVENTURE getauscht haben. Dick und breit wälzt sich unter uns der Franz-Josef-Gletscher Richtung Meer.

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Nach dem spannenden Flug genießen wir den Sonnenuntergang im Dorfpub eines verschlafenen Nestes, in dem uns eine leckere Besonderheit der Südinsel serviert wird: ´Whitebait´. Das sind Kleinstfische, die im Ganzen (mit Kopf und Augen und Gräten) mit Ei verrührt gebraten werden. Neuseeländer stehen drauf!

Whitebait
Dann geht´s kurvig weiter, einmal quer über die Alpen – von West nach Ost. Vorbei an wunderschönen Seenlandschaften Richtung Queenstown, der Abenteuerhauptstadt Neuseelands. Kein Adrenalinsport, den man hier nicht probieren könnte. Wir amüsieren uns bei einer knackigen Offroadrunde in den nahen Bergen, inklusive zahlreicher Wasserdurchfahrten. Hier wurde übrigens die KTM 1190 ADVENTURE R wenige Monate zuvor der neuseeländischen Presse vorgestellt, und hier ist sie richtig in ihrem Element.

Nach einem Erholungstag reisen wir – statt weiter in den Süden, wo es regnet –  kurzentschlossen weiter an die sonnige Ostküste. Eine witzige Pinguinkolonie begrüßt uns in Oamaru und herrliche Pisten schlängeln sich über Lundis- und Burkes-Pass nach Christchurch. Die größte Stadt Neuseelands hat gleich zwei Erdbeben hinter sich (2010 und 2011), und präsentiert sich entsprechend stark zerstört, aber schon vom Schutt beseitigt. Es ist ein bedrückendes Gefühl, durch das fast nicht mehr existierende Zentrum zu spazieren, wo Geschäfte, Banken und Kaffeehäuser jetzt in Containern untergebracht sind und jeder Einwohner eine andere, noch haarsträubendere Geschichte vom großen Beben erzählen kann.

Unweit der Stadt liegt die Halbinsel Banks, ein erloschener Vulkan, dessen windige Kraterrand-Panorama-Straße ein echtes Motorradhighlight darstellt. Nur, worauf konzentrieren? Auf die engen Kurven oder die tolle Aussicht?  Von einer schmalen Schneise geht der Blick links und rechts steil hinunter auf eine zerfranste, fjordartige Küste. Mitten drin ein Stückchen Frankreich im Britenland: Akaroa – très charmante.

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Auf unserem Weg zurück Richtung Norden durchqueren wir auf abwechslungsreichen Pisten Molesworth, die größte Schaffarm Neuseelands, mit Fotostopps eine Halbtagesreise. Abends belohnen wir uns mit einer Weinverkostung in Marlborough, dem bekanntesten Weingebiet Neuseelands.

Bevor wir wieder auf die Nordinsel zurückschippern, verbringen wir einen Tag mit der Erforschung der ausgefransten Fjordlandschaft an der Cook-Meeresenge, wo uns enge, fast verwachsene Singletrails von Bucht zu Bucht führen. Hier sind die Lieblings-Urlaubsplätze der Neuseeländer – mit einfachen Holzhütten.

Ein wetterbedingter, eigentlich ungeplanter Abstecher macht uns mit der Halbinsel Taranaki bekannt. Diese  besteht aus einem riesigen Bilderbuchvulkan. An der Küste schlängelt sich Neuseelands Surfhighway 45, von einem einsamen, vulkanschwarzen und windigen Strand zum nächsten.

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Was die Route 66 für USA ist der „Forgotten World Highway“ für Neuseeland – ein Motorradklassiker, den wir natürlich nicht auslassen. Leider zum Großteil schon asphaltiert, führt dieser über mehrere kleinere Pässe durch grünes Gras- und Buschland. Immer wieder bleiben wir stehen, um die Aussicht zu genießen. Soviel Grün – unbeschreiblich. Eine Kuriosität mitten drin ist die Republik Whangamomona, ein kleines Dorf, das sich vor ein paar Jahrzehnten für unabhängig erklärt hat und sogar mit einem eigenen Einreisestempel aufwartet.

Auf dem Rückweg Richtung Auckland durchqueren wir den ältesten Nationalpark des Landes: Tongariro ist eine alpine Hochebene, aus der drei aktive Vulkane herausragen. Genau das ist die Faszination Neuseelands: Nur eine kurze Fahrdistanz und schon wieder eine völlig veränderte, ganz neue Landschaft.

Wo Vulkane, da Krater: Der größte See des Landes ist natürlich ein Kratersee. Das nutzen wir gleich für einen Badetag und hüpfen aus den Motorradklamotten in den glasklaren, kühlen Lake Taupo. Dann müssen wir allerdings ein wenig Gas geben, um uns den höchsten Norden des Landes nicht entgehen zu lassen.

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Die Bay of Islands ist nicht nur eine wunderschöne Bucht mit unzähligen Inselchen, sondern auch historisch interessant. Hier siedelten die ersten Maori, hier gingen die ersten Europäer an Land und hier regelte man schließlich vertraglich das Zusammenleben der Volksgruppen. Rundherum jede Menge romantische Strände und sympathische kleine Orte mit herrlichen Restaurants!

An der Küste gegenüber besuchen wir die letzten Reste des neuseeländischen Kauri-Urwaldes, ein echtes Naturhighlight. Der älteste Kauribaum ist 2.000 Jahre alt und hat einen Umfang von fast 14 Metern. Ein phantastisches Museum würdigt die Naturgeschichte.

Kauri
Nach einer abschließenden Stadtbesichtigung Aucklands ziehen wir Bilanz unserer Panini Tour durch Neuseeland: 6.800 km unfallfrei, eine Million Kurven, ein Land, wie geschaffen für Motorräder!

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Inzwischen schwimmen unsere beiden KTM 1190 ADVENTURE R schon weiter zum nächsten Kontinent: Amerika. Hoffentlich seid ihr auch dann wieder mit dabei!

Fotos: Barbara Kenedi