European Junior Cup 2012

Dem Nachwuchs eine Chance

Rennfahrer fallen nicht von den Bäumen. Talente wollen behutsam aufgebaut und gefördert werden. Im European Junior Cup besteht dazu Gelegenheit. In diesem Markencup, der auf identischen KTM Duke 690-Bikes ausgefahren wird, kämpfen knapp drei Dutzend Youngster aus aller Herren Länder um Siegerlorbeer und Aufmerksamkeit – vor den Augen des Superbike-WM-Publikums und zahlreicher Teamchefs.

Der European Junior Cup (EJC) findet im Rahmen der Superbike-Weltmeisterschaft statt. Im Fahrerlager sind die KTM-Fahrer mit ihren Duke-690 Rennern in einem orangen Camp mit mehreren Werkstattzelten und einer großen Hospitality untergebracht und leicht zu finden. Zu hören übrigens auch, denn die gesamte Fläche wird Rock- und Popmusik beschallt. Hier ist Leben in der Bude, das wird jedem beim ersten Besuch sofort klar.

Wie bei Markencups üblich, steuern alle Teilnehmer identische Rennmaschinen. 19.950 Euro kostet das EJC-Cuppaket mit der KTM Duke 690 Rennmaschine, allen Nenngeldern und einem umfangreichen Ausstattungspaket für 8 Rennevents und ein Frühjahrstraining. Dazu gehören auch Reifen, Benzin, Werkzeug sowie der Transport der Maschinen von Strecke zu Strecke. Mitbringen muss jeder Teilnehmer eigentlich nur seine Schutzkleidung und einen oder mehrere Helfer, dann kann´s rund gehen im Karton.

Gleiches Material für alle garantiert Chancengleichheit. Auch die Kosten werden im Zaum gehalten. Die EJC-Organisation erfolgt durch die Firma „Racedays Promotion“, mit Unterstützung von KTM. Bei Abwicklung und Betreuung wird alles bedacht. Ex-Rennfahrer stehen als Ansprechpartner zur Verfügung, helfen mit Tipps und Tricks weiter. Die Versorgung mit Ersatzteilen ist geregelt, dazu werden Kurse abgehalten, die nützliches Wissen bei der Abstimmungsarbeit vermitteln und beim Verfeinern der Fahrtechnik hilfreich sind.

Der Cup ist für Talente im Alter zwischen 14 und 19 Jahre ausgeschrieben. Abgewickelt werden die Rennen auf international renommierten Strecken, die jedem Rennsportfan schon einmal zu Ohren gekommen sind: Assen in Holland, Monza und Misano in Italien, Aragon in Spanien, Brünn in der Tschechischen Republik, Silverstone in Großbritannien, Nürburgring in Deutschland und Magny-Cours in Frankreich. Ein Frühjahrstraining für alle fand in Spanien in Cartagena statt.

Die Duke 690 wurde mit überschaubarem Feintuning renntauglich präpariert. Akrapovic-Auspuff, vielfach abstimmbare Elektronik-Box und gezielte Feinarbeit hieven die Leistung des weltstärksten Einzylinders von 70 auf 79 PS. Das Gewicht beträgt (ohne Benzin) nur 140 kg. WP-Federelemente optimieren die Kurvenlage, leichte Marchesini-Felgen und Pirelli-Sportreifen erlauben atemberaubende Schräglagen. Weitere Zutaten: Bremsen, Bugspoiler, Sturzbügel, Fußrasten-Anlage, Sitzbank und Lenker aus dem KTM Power-Parts-Programm.

Bei jedem Rennevent findet am Freitag ein freies Training statt, am Samstag folgt das Qualifikationstraining. Das EJC-Rennen geht am Sonntag über die Bühne, vor dem zweiten Superbike-Lauf, also immer dann, wenn die Tribünen der WM-Events am dichtesten besetzt sind. Die Renndistanz beträgt 35 bis 50 Kilometer. Nach der Zieldurchfahrt findet die Siegerehrung auf dem gleichen Podest statt, auf dem auch die WM-Helden die Pokale überreicht bekommen. Nach den Trophäen wird Schampus gereicht, auch Sektspritzen will ja gelernt sein.

Sieben von acht Rennen der Saison 2012 sind Geschichte. Beim Finale in Magny-Cours wird entschieden, wer sich mit dem EJC-Meistertitel schmücken darf. Lukas Wimmer aus Österreich, der bereits drei Rennen gewinnen konnte, hat die Nase vorn, kann aber noch von den Spaniern Gaston Garcia und Javier Orellana eingeholt werden. Dahinter kann sich ein halbes Dutzend Verfolger noch Hoffnungen auf Top-Five-Endplatzierungen machen: Christian Vidal (ESP), Arthur Wielebski (POL), Lamie Patterson (NI), Adrian Pasek (POL), Jean-Francois Demoulin (FRA) sowie Brandon Kyee aus den USA.

Wer immer das EJC-Finale oder den Titel in Frankreich gewinnt: Allen Youngstern, die ihre Fahrkunst und ihren Kampfgeist während der Saison herausragend unter Beweis stellen konnten, wird die Aufmerksamkeit der Teamchefs und Talentscouts im WM-Fahrerlager sicher sein. Bessere Voraussetzungen für den weiteren Verlauf der Rennfahrerkarriere lassen sich kaum vorstellen. Vom Fahrspaß und Abenteuer, den alle EJC-Fahrer während der Saison im Rennsattel und im Fahrerlager erleben, mal ganz abgesehen.

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