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Ambitionierter Youngster: Jorge Prado

Wenn Jungtalente aufbrechen und eine Profi-Karriere anpeilen, ist mitunter auch ein Schuss Fragwürdigkeit mit im Spiel. Was ist, wenn es dem vermeintlichen Überflieger nicht gelingt, die Sterne vom Himmel zu pflücken? Trotz aller Ambitionen können Probleme und Schwierigkeiten auftauchen, die sämtlichen Plänen die Luft abdreht und das Ziel in unerreichbare Ferne rücken lässt. Andererseits gibt es Beispiele, wo alles wunschgemäß geklappt hat mit der Traumkarriere. Unmöglich ist es nicht, dass junge Burschen, die gerade mal das Wahlalter erreicht haben, sich in der Motocross-WM durchsetzen. Jüngst über Ostern etwa gewann Red Bull KTM Werksfahrer Jeffrey Herlings den Dutch MXGP zum vierten Mal in Folge – dabei ist der amtierende Weltmeister erst 18 Jahre alt.

 

Zahlreiche hochtalentierte Burschen tummeln sich auf Crosspisten, aber ab und an schafft es jemand, aus der Masse herauszuragen und auf sich aufmerksam zu machen. Einer dieser besonders vielversprechenden Youngster ist der erst zwölfjährige Spanier Jorge Prado. Zwar kann der 65 cm3-Weltmeister von 2012 erst in frühestens drei Jahren an eine MX2-WM-Saison denken. Dennoch ist er mit seiner Eltern von der Iberischen Halbinsel nach Belgien umgezogen, um unter Aufsicht von Red Bull KTM-Teamchef Stefan Everts zu trainieren und weiter dazu zu lernen.

Jorge Prado jedenfalls scheint auf Kurs zu sein. So, wie er jetzt bereits mit seiner 85er SX-KTM umrührt, steht ihm eine erfolgträchtige Karriere bevor. Wenn er es schafft, sich weiter zu verbessern, könnte er nächstes Jahr bereits auf einer 125er in der Europameisterschaft angreifen und anschließend auf einen 250er Viertakter steigen – zumindest wenn er noch etwas wächst. Denn speziell die Körpergröße des noch heranwachsenden Teenagers ist im Moment mit einem Achtelliterbike noch ein Problem.

In Valkenswaaart haben wir Jungtalent Jorge Prado getroffen, der unsere Fragen  sehr entspannt und freundlich beantwortet hat:

Jorge, wohin wird Dein Weg noch führen? Unterstützung von KTM und Red Bull erhältst Du bereits?

Jorge: Diese Unterstützung ist natürlich großartig und auch sehr hilfreich. Ich freue mich, dazu zu gehören. Alles um mich herum ist sinnvoll organisiert, viel besser kann man es sich nicht wünschen, schon gar nicht in meinem Alter. Wenn ich es schaffe, mich weiter zu verbessern und viel zu lernen, hoffe ich in Zukunft in der Motocross-WM zu den Besten vorstossen zu können.

Deine Karriere scheint ziemlich klar vorgezeichnet?

Jorge: Wir wissen, wohin es gehen soll, aber natürlich weiss man nie, wie sich die Dinge entwickeln. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr zu den 125en aufsteigen kann, wenn ich körperlich nicht zu klein dafür bin. Ich bin jetzt 12 Jahre alt; und die geplante Zusammenarbeit mit KTM erstreckt sich auf die nächsten vier Jahre.

Jorge Prado shot by Juan Pablo Acevedo

 

Welche Ziele werden für die Zukunft angepeilt?

Jorge: Erst MX-Weltmeister werden und anschließend in Amerika die AMA Supercross und Motocross-Serien fahren. Supercross mag ich sehr, also sollte es in die Richtung gehen.

Ist Dir bewusst, dass Du als Spanier ein Zugpferd für den MX-Sport werden kannst?

Jorge: Ja, momentan ist es mit der Wirtschaft in Spanien eher schwierig, vieles entwickelt sich rückwärts und nicht alle können sich ihre Wünsche so wie vorher erfüllen. Motocross als Sport verlangt Dir einiges ab. Es ist nicht einfach, erfolgreich zu sein und auch zu bleiben. Das ist mir bewusst. Deshalb trainiere ich hart und versuche gesundheitlich auf mich aufzupassen. Es gibt eine Menge Leute, die Motocross als Sport ausüben, es kommen auch ständig neue dazu. Vielleicht wird es nur länger dauern, bis diese dann zur Spitze vorstossen.

Wie lassen sich Schule und Sport unter einen Hut bringen?

Jorge: Das klappt gut, zumindes hier in Belgien. Dienstags kann ich die Schule etwas früher verlassen und das Training aufnehmen. Die Anforderungen unterscheiden sich von denen in Spanien. Jedenfalls kann ich hier zu den Rennen fahren, ohne das Gefühl, deswegen meine schulischen Leistungen zu vernachlässigen. Insofern ist alles unter Kontrolle. Die Balance zwischen Schule und Sport passt und die Ausbildung muss nicht zwangsläufig leiden.

Jorge at play by Juan Pablo Acevedo

 

Wie konkurrenzfähig bist Du, vom Gefühl her?

Jorge: Dieses Jahr fahre ich auf recht ordentlichem Level. Aber ich denke, dass man sich immer weiter verbessern kann.  Es gibt sicherlich einzelne Dinge, bei denen ich noch zulegen kann. Daran werde ich versuchen gezielt zu arbeiten. Den wirklich schnellen Leuten zugucken schadet dabei nie.

Wie würdest Du deinen Fahrstil beschrieben. Es gibt Beobachter, die behaupten, Du agierst bereits recht spektakulär?

Jorge (breit grinsend): Mir gefällt besonders der Fahrstil von Tony Cairoli. Deshalb versuche ich auch, mich daran zu orientieren. In den USA bewundere ich Chad Reed, weil er auf sehr natürliche Art schnell unterwegs ist – und sicher dazu. Villopoto ist auch sehr schnell, aber was das Zuschauen betrifft, gehört er nicht zu meinen Favoriten.