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Duke 390 Launch, part 1

Blog-Autor Pump Kinn war in Salzburg bei der Presse-Fahrpräsentation der neuen KTM 390 Duke und schildert seine Impressionen vom Fahrtag.

Es ist schön, wenn Du den ganzen lieben Tag über Landstraßen nach Österreich anreist, nach 600 km nur noch wie weggeblasen über dem Lenker hängst und die Zieladresse in Salzburg lautet »Sheraton Hotel«. Eine Dusche und ein leckeres Abendessen später könnte die Welt nicht oranger aussehen. KTM hat das Haus reichlich mit Fahnen und Stellwänden dekoriert, eine Duke 390 thront angestrahlt in der Lobby, sogar auf dem Fußboden kleben gepfeilte Aufkleber mit der Aufschrift Duke 390, damit auch jeder sofort sieht, wo es lang geht zur Event-Info am kommenden Tag.

 

Eine Mütze Schlaf später hocke ich in einem Konferenzraum mit 25 Journalisten, die angereist sind aus Malaysia, Indien, Thailand, Taiwan, Hongkong, Südkorea, Singapur, Mexiko, Kolumbien, Argentinien und Finnland. Wir sind die letzte von vier Gruppen, die mit der neuen KTM 390 Duke durch das Salzkammergut brausen dürfen, um Fahreindrücke zu sammeln.

Thomas »Kutti« Kuttruf (Presse-Manager), Sebastian Sekira (Leiter Straßenmotorrad), Jörg Schüller (Produktmanager), Stefan Schmollgruber (Projektleiter Motor), Andreas Wimmer (Projektleiter Fahrgestell), Sven Lacker (Applikateur Motormanagement), Craig Dent (Designer und Creative Leader bei Kiska) und Sel Narayana (KTM Südostasien, seit 25 Jahren bei KTM) erzählen Wissenswertes über die 390er Neuentwicklung.

Die 390 Duke ist ein enorm wichtiges Motorrad für KTM, nicht nur weil es die Lücke schließt zwischen 125/200er und 690er Naked-Bikes, sondern auch weil es das erste Bike aus Mattighofen ist, das weltweit auf allen Märkten angeboten werden wird, insgesamt in 76 Ländern. Der Preis ist eine echte Kampfansage. Unter 5.000 Euro. Möglich ist eine solche Kalkulation durch die Kooperation mit Bajaj in Indien, wo das in Österreich entwickelte Bike vom Produktionsband läuft. Bajaj ist der viertgrößte Hersteller weltweit und hat 2012 insgesamt 3,8 Millionen Zweiräder produziert.

Vereinfacht gesagt ist die Duke 390 das, wovon Tuner seit Jahrzehnten träumen: Ein leichtgewichtiges Chassis mit einem Motor, der eine Nummer größer ist. Das Resultat ist ein agiles, sportliches und fesches Naked-Bike, das den Spagat schaffen soll, Einsteiger ebenso anzusprechen wie alte Hasen. Der spezielle Reiz liegt in der Kombination aus wenig Gewicht und mehr als angemessener Motorisierung. Die spezielle Dynamik eines federgewichtigen, aber kräftigen Einzylinder-Bikes suchte man zuletzt am Markt vergeblich. Attraktive Motorräder mit kleinem Hubraum waren ausgestorben, was um so seltsamer anmutet, je länger man darüber nachsinnt.

KTM setzt bei der Duke 390 voll auf Fahrspaß dank ausgewogener Finesse. Chassis und Bodywork der Neuen stammen von der 125er/200er, komplett neuentwickelt wurde der flüssigkeitsgekühlte 375er Einzylindermotor mit Kraftstoffeinspritzung, Nikasil-beschichtetem Zylinder, geschmiedetem Kolben und Sechsganggetriebe. Das einzige Bauteil, das übernommen wurde von der kleineren Motorenfamilie, sind die Kipphebel für den Ventiltrieb. Das kurzhubig ausgelegte Vierventilaggregat (Bohrung 89, Hub 60 mm) leistet 44 PS bei 9.500 Touren. Ein geregelter Katalysator im schwerpunktgünstig hinter und unter dem Triebwerk angeordneten Auspuff gehört selbstverständlich mit dazu.

36 Bikes in Reih und Glied aufgestellt warten vor dem Hotel. Schließlich dürfen wir den Helm aufsetzen, aufsitzen und abfahren – in kleinen 5er Gruppen, geführt von Guides. Auf der leichten und kompakten Duke fühlt man sich sofort zu Hause, von Eingewöhnung kann eigentlich keine Rede sein. Lenker, Fußrasten, Sitzbank – das Dreieck passt prima. Der Einzylindersound ist überraschend kräftig, die Kupplung greift weich, das Getriebe rastet präzise und mit kurzen Hebelwegen. Der Motor glänzt mit freundlichem Charakter, läuft angenehm vibrationsfrei, die Leistungsentfaltung erfolgt sanft bei niedrigen, knackig zornig bei steigenden Drehzahlen. Der Kraftzuwachs erfolgt linear, ohne Sprünge oder Leistungstreppen. Je mehr die rechte Hand am Gasgriff dreht, desto mehr Power sorgt für Vortrieb.

 

Wir strömen aus der Stadt heraus, zunächst über Land, dann über kurvenreiche Bergstrassen. Es geht bergauf und bergab, rechts und links, mal mal zügig, mal besonnen, über rumpligen wie glatten Asphalt. Die Duke 390 entpuppt sich überall als veritables Spassgerät, fährt sich verblüffend umkompliziert, lenkt leichtfüßig ein und und lässt sich zielgenau und sicher um Kurven zirkeln. Das leichte Handling der vollgetankt (mit 11 Liter Benzin) nur 150 kg Maschine schweren ist ein Genuss, der sich entspannt befreit genießen lässt.

Alles an der Duke funktioniert präzise und geschmeidig. Die Scheibenbremsen lassen sich einwandfrei dosieren und haben keine Mühe, das Leichtgewicht vehement zu verzögern. Das serienmäßige Bosch-ABS sorgt zusätzlich für Sicherheit; wer driftend im Supermoto-Fahrstil die Kurven anbremsen will, kann es auf Knopfdruck auch abstellen. Das Getriebe rastet leicht und präzise, Gangwechsel gehen mühelos vonstatten. Die Federungsabstimmung bügelt die meisten Asphalt-Gemeinheiten gelassen weg. Haftfreudige Sportreifen (Metzeler Sportec M5) sorgen für gutes Feeling auch beim Kurvenräubern.

Schließlich gelangen wir an die erste Fotostelle. Zwei Fotografen lichten uns beim Hin- und Herfahren ab, anschließend geht es entspannt weiter. Über Fuschl, am modernen Hauptquartier von Red Bull vorbei geht es über landschaftlich wunderschönen Straßen schließlich zum Wolfgangsee. In der mondänen Scalaria, einer Lokalität, deren Gastraum ein Formel 1-Toro Rosso schmückt, kehren wir zur Mittagspause ein.

Die nächste Etappe führt zur zweiten Foto-Location inmitten einer Kurvenpassage. Weil auch andere Gruppen einlaufen, um sich Bilder anfertigen zu lassen, bleibt bei einer Pause Gelegenheit, einzelnen Details der Duke 390 die Aufmerksamkeit zu widmen: piekfein gefertigter Rahmen, der nicht lackiert sondern kunststoffbeschichtet ist; Upside-Down-Gabel mit 300 mm-Scheibenbremse und Radial-Vierkolben-Bremszange, optisch imposante Aluminiumschwinge mit an der Federbasis verstellbarem WP-Monostoßdämpfer, orange lackierte, filigrane Gußspeichenräder; konischer »Fatbar«-Lenker und Mini-Windschild über der liebevoll gestalteten Scheinwerfer-Frontmaske.

Nachdem die Actionfotos im Kasten sind, geht es weiter mit dem Fahrspaß. Durch herrliche Landschaft unter blauem Himmel und regelrechte Kurvenorgien geht es in einem weiten Bogen zurück Richtung Salzburg, wobei unser Guide noch einen Abstecher auf den Gaisberg einbaut. Vor einer Woche, als die erste Duke-Tester-Gruppe hier Station machte, kam es bei Temperaturen knapp über Null noch zu einer zünftigen Schnellballschlacht. Wir haben deutlich mehr Glück mit dem Wetter und genießen die prächtige Aussicht auf das Salzburger Umland.

Als wir nach knapp 200 km Fahrtest zurück ans Hotel kommen, sticht der rote Teppich vor dem Eingang ins Auge. Duke 390 draufgestellt, Knipse raus und noch ein Bild geschossen. Eva, die Organisationsfee, die mit knapp 20 KTM-Leuten für insgesamt 103 Journalisten dieses Testevent geschmissen hat und für später am Abend eine stilvolle Pferdekutschen-Ausfahrt zum Abendessen in einem Restaurant neben dem Mönchsberg-Museum über den Dächern von Salzburg organisieren wird, stellt sich freundlicherweise mit dazu. That´s it – Danke für eine lustvolle Ausfahrt und eine feine KTM 390 Duke!