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Interview des Monats: KTM Rally Teammanager Alex Doringer über die Dakar 2014

Die Dakar ist die abenteuerlichste Rally der Welt und verspricht 2014 mehr Spannung denn je. Insgesamt 196 Motorradfahrer bestreiten im Januar die 9.500 Kilometer lange Route mit 13 Fahrtagen durch Argentinien, Bolivien und Chile. Das Red Bull KTM Rally Werksteam tritt mit dem dreifachen Dakar-Sieger Marc Coma an. Dem Spanier, der letztes Jahr verletzungsbedingt nicht am Start war, steht mit Landsmann Ruben Faria ein erfahrener Teamgefährte zur Seite. Faria beendete die Dakar 2013 auf dem zweiten Gesamtrang. Auch der Chilene Francisco López, der vor heimischem Publikum stets besonders motiviert ist, steuert eine der neuen KTM 450 RALLYy Werksmaschinen. Jordi Viladoms komplettiert das Team und wurde an Stelle des tragisch verunglückten Kurt Caselli kurzfristig verpflichtet. Neben den vier offiziellen KTM Werkspiloten sind bei der Dakar in Südamerika noch 40 KTM Privatfahrer am Start, die mit einem speziellen Kunden-Servicepaket technisch wie logistisch betreut und unterstützt werden.

Wir haben uns mit KTM Teamchef Alex Doringer vor dem Rally-Spektakel unterhalten:

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Alex, seit wann laufen die Vorbereitungen für die Dakar und was spielte sich im Vorfeld in der Rennabteilung des KTM Rally Werksteams ab?
„Seit September wurden eine Menge Dinge abgearbeitet. Wir setzen heuer ein komplett neu entwickeltes Rally-Motorrad ein, da galt es etliche noch offene Punkte zu klären, zum Beispiel welche und wie viele Ersatzteile wir für alle Fahrer benötigen werden. Immerhin kristallisierte sich bald heraus, dass die Performance des neuen Bikes erstklassig und der Motor erfreulich stark und zuverlässig ist. Dennoch hatten wir zur Vorbereitung, bis das Schiff im Dezember den Hafen in Le Havre Richtung Südamerika verließ, alle Hände voll zu tun. Es gilt eine Unmenge an Dingen zu erledigen und zu berücksichtigen. Große und kleine Details, letzte Entscheidungen und Absprachen, in Sachen Teamstruktur, Mechaniker, Ersatzteile, Reifen, bis hin zu Flügen, Hotels, Teamkleidung, Pressearbeit und vieles mehr. Vorbereitet werden musste neben den Einsatzmotorrädern auch die Logistik, also der ganze Begleitfuhrpark mit Trucks, Transportern und Fahrzeugen. Von September bis Mitte Dezember spitzte sich alles immer mehr zu, schließlich stand als finale Vorbereitung noch die Marokko-Rally auf dem Plan. Der Unfall von Kurt Caselli, der dann passierte, hat uns natürlich alle schwer getroffen. Wir haben einen Freund verloren, ein Mitglied der KTM Familie. Eine schreckliche Tragödie. Danach mussten notgedrungen weitere Entscheidungen getroffen und Planungen neu ausgerichtet werden. Auch nachdem endlich alles Material und die Begleitfahrzeuge nach Frankreich aufgebrochen waren, gab es noch etliche Dinge zu organisieren. Das KTM Team für die Dakar umfasst an die 40 Personen; dabei geht es nicht nur um die offiziellen Werksfahrer. Sondern auch um Service und Betreuung der KTM Privatfahrer.”

Vorbereitung: Es gilt eine Unmenge an Dingen zu erledigen und zu berücksichtigen. Große und kleine Details, letzte Entscheidungen und Absprachen, in Sachen Teamstruktur, Mechaniker, Ersatzteile, Reifen, bis hin zu Flügen, Hotels, Teamkleidung, Pressearbeit und vieles mehr.

KTM geht mit einem komplett neu entwickelten KTM 450 RALLY Bike an den Start. Wie zuversichtlich dürfen Sie sein?
„KTM verfügt im Motorradbau über beachtliches Know-How. Unser Erfahrungsschatz, angesammelt  über viele Dakar-, Rally- und Offroad-Jahre, ist unser größter Vorteil. Natürlich ist ein neues Bike auch immer eine neue Herausforderung, aber es gibt keinen ultimativeren Test als die Dakar. Danach werden wir wissen, wie gut unser Bike wirklich ist. Wir haben jedenfalls unsere Hausaufgaben gemacht. Wir haben uns angestrengt und die Erkenntnisse bisher waren ermutigend. Ich denke, wir dürfen zuversichtlich sein, mit zu den Favoriten zu zählen.”

KTM 450 RALLY: „Natürlich ist ein neues Bike auch immer eine Herausforderung, aber es gibt keinen ultimativeren Test als die Dakar.”

Kommen wir zu den Fahrern, was können Sie uns über sie erzählen? Wie klappt die Zusammenarbeit, was zeichnet jeden Einzelnen aus? Irgendwelche Eigenheiten?
„Beginnen wir mit Marc Coma. Während einer Rally ist er ehrgeizig und konzentriert bei der Sache. Die Zusammenarbeit mit ihm macht Freude. Sehr professionell, immer freundlich. Er weiß auch zu schätzen, was das Team für ihn leistet. Marc ist ein ruhiger Typ, trotzdem zugänglich und humorvoll. Ruben Faria zählt auch zu den eher ruhigen Zeitgenossen. Er war 2013 stark unterwegs. Dass er am Ende Zweiter wurde, hat ihn selbst wohl etwas überrascht. Er ist etwas Spezielles, ebenfalls sehr ehrgeizig, aber anders als Marc. Jeder Rally-Fahrer ist auf seine Art etwas Besonderes. Wenn einer herausragt, dann sicherlich Francisco López. Er ist ein gelassener Bursche, aber voller Ehrgeiz, in seiner Heimat erfolgreich abzuschneiden. Fahrerisch ist „Chaleco” wirklich toll; manchmal treibt er es aber etwas zu wild. Er hat dazugelernt bei der letzten Dakar und ist ein Jahr routinierter geworden; das braucht es manchmal, um zu verstehen, dass Umsicht und weniger Speed am Ende weiter führen als punktuell zu viel Risiko. Auf jeden Fall ist er mit Begeisterung dabei; er weiß genau, um was es beim Rally-Sport geht und dazu ein Dakar-Orginal, der in aller Munde ist. Jordi Viladoms ist nicht das erste Mal für KTM als Werksfahrer dabei. Er ist ein Teamplayer und war für uns bei der Team-Zusammenstellung nach dem Caselli-Unfall eine logische Wahl. Auch wenn die Umstände letztlich bedrückend sind, ist er trotzdem mit vollem Einsatz bei der Sache. Es ist gut, dass er wieder offiziell für KTM antritt. Er ist 33 Jahre alt, verfügt über reichlich Erfahrung, ist freundlich und bei allen im Biwak beliebt. Ich bin überzeugt, dass er sich weiter verbessern und ein Spitzenergebnis erzielen kann, obwohl seine Hauptaufgabe ist, Marc Coma als Siegfahrer zu unterstützen.”

Doringer über Coma: Während einer Rally ist er ehrgeizig und konzentriert bei der Sache. Die Zusammenarbeit mit ihm macht Freude. Sehr professionell, immer freundlich. Er weiß auch zu schätzen, was das Team für ihn leistet. Marc ist ein ruhiger Typ, trotzdem zugänglich und humorvoll.”

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Die Dakar-Vorbereitung für das Team zieht sich über Monate hin. Wie schwierig ist es, punkto Material und Organisation alle Punkte abzuarbeiten und sämtliche Eventualitäten in Betracht zu ziehen?
„Die Organisation zur Teilnahme an einer Rally wie der Dakar ist schwierig und kompliziert. Weil es vielfältige Aufgaben und Dinge gibt, die zu beachten sind. Aus meiner Sicht ist es von unschätzbarem Wert, dass wir bei KTM ein perfekt eingespieltes Team sind. Jeder Einzelne verfügt über viel Erfahrung und weiß, was er zu tun hat. Das ist eine große Hilfe. Dennoch bleibt der organisatorische Aufwand enorm. Wir checken alles doppelt und dreifach, um auf Nummer sicher zu gehen. Bei KTM arbeiten lauter gute Leute, denen ich vertrauen kann. Und wir bekommen von der Firmenleitung alle Unterstützung, die wir benötigen.”

Team: „Aus meiner Sicht ist es von unschätzbarem Wert, dass wir bei KTM ein perfekt eingespieltes Team sind. Jeder Einzelne verfügt über viel Erfahrung und weiß, was er zu tun hat.”

Im Vorfeld ist Kurt Caselli bei der Baja 1000 tragisch verunglückt. Wie geht man damit um? Caselli war ein Spitzenpilot und gehörte als Werksfahrer zur KTM Familie. Wie steht es um die Moral des Teams, vor allem so kurz vor einem so wichtigen Event wie der Dakar?
„Das ist kein leichtes Thema. Ich sehe es von zwei Seiten. Für mich persönlich war Kurt ein enger Freund, auch seine Familie steht mir nahe. Zuerst war es kaum vorstellbar, nach seinem Tod weiter zu machen. Der Schock sitzt extrem tief. Andererseits sind wir sehr professionell und jeder von uns weiß, dass es auch Schattenseiten gibt. Mir hat es geholfen, mit Casellis Mutter zu sprechen. Sie hat bestätigt, was wir alle wissen: dieser Sport ist mit Gefahren verbunden, Unglücke können passieren und nun hat es eben – tragischerweise – Kurt erwischt. Möglicherweise haben die Dakar-Vorbereitungen uns beim Verarbeiten geholfen. Wir hatten einen Job zu erledigen, also haben wir uns darauf konzentriert. Es gab etliche Aufgaben und einen Zeitplan, den es einzuhalten galt. Auch wenn man auf diese Weise manches verdrängt, in unseren Herzen wird Kurt bei der Rally dabei sein.”

Tod Kurt Caselli: „Mir hat es geholfen mit Casellis Mutter zu sprechen. Sie hat bestätigt, was wir alle wissen: dieser Sport ist mit Gefahren verbunden, Unglücke können passieren und nun hat es eben – tragischerweise – Kurt erwischt.”

Wie ging es nach allen Vorbereitungen und der kurzen Weihnachtspause weiter?
„Bevor das Team nach Argentinien geflogen ist, gab es für alle ein paar Tage Erholung. Die Dakar ist extrem anstrengend, das Team ist groß und die Arbeit hört nie auf. Es gibt Stress und Trubel, große Distanzen und nur wenig Schlaf. Der Job ist hart, nicht nur für die Fahrer, sondern für jeden, der mit dabei ist. Ich war in den Bergen, bin Ski gefahren, habe etwas ausgespannt. Aber jeder im Team hat sich auf seine Art vorbereitet und etwas ausgeruht, um für die Dakar gewappnet zu sein.”

Dakar: „Die Dakar ist extrem anstrengend, das Team ist groß und die Arbeit hört nie auf. Es gibt Stress und Trubel, große Distanzen und nur wenig Schlaf.”

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Welche Aufgaben gilt es zu erledigen, wenn das Team in Argentinien in La Serena angekommen ist?
„Wir werden die Motorräder mit letzten Handgriffen vorbereiten. Alles ist soweit fertig, trotzdem werden wir bei Testfahrten alles durchchecken und auf die vor Ort herrschenden atmosphärischen Bedingungen und Temperaturen final anpassen. Wir werden ein paar Media-Events und natürlich die technische Abnahme absolvieren, die dort immer sehr aufwändig ausfällt und für viele bereits ein erstes Highlight darstellt. Unser Team ist groß, da gibt es viel zu organisieren, damit im Team und drumherum alles reibungslos läuft. Bei den Bikes wie auch beim Fuhrpark gibt es immer eine Menge zu richten und zu erledigen. Stefan Huber, unser Technik-Manager, und ich sind aber guter Dinge. Wie alle freuen wir uns, wenn es endlich los geht. Wenn die Bikes das erste Mal von der Startrampe gerollt sind, findet alles recht schnell seinen Rhythmus. Dann löst sich auch manches von der Anspannung.”

Start:Wie alle freuen wir uns, wenn es endlich los geht. Wenn die Bikes das erste Mal von der Startrampe gerollt sind, findet alles recht schnell seinen Rhythmus. Dann löst sich auch manches von der Anspannung.”

Wird diese Dakar anders sein als die vorherigen?
„2014 wird meine vierte Dakar. Viele sagen, dass heuer ein neuer Höhepunkt erreicht wird. Die Konkurrenz ist härter denn je. Einer unserer Spitzenfahrer hat zu einer anderen Marke gewechselt. Die größte Herausforderung ist am Ende aber nach wie vor die Dakar selbst, weniger die Konkurrenz. Wir bei KTM sind eine Team, das sich blendend versteht, und wir werden uns gegenseitig helfen, um für jeden das Optimum zu erreichen. In Afrika war die Herausforderung eine andere, weil die körperliche Belastung unglaublich hoch war. Der größte Unterschied zu letztem Jahr ist, dass Start- und Zielort geändert sind, dass wir neue Routen fahren und mit Bolivien ein neues Land entdecken werden. Außerdem gilt es zwei Marathon-Etappen zu überstehen. Nichts wird also einfacher, vieles wird anders. Auf jeden Fall bleibt die Dakar eine riesige Herausforderung mit etlichen Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt. Die Konkurrenz wird stärker auftrumpfen; noch ein Grund mehr die Rally ruhig und konzentriert anzugehen.”

Herausforderungen: „Die größte Herausforderung ist am Ende aber nach wie vor die Dakar selbst, weniger die Konkurrenz.”

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Ist Nervosität während des Rennens ein großes Thema?
„Nein, dazu gibt es auch keinen Anlass. Unsere Motorräder sind gut, das Team ebenfalls, auch die Vorbereitung stimmt.”

Was fasziniert dich als Teammitglied an der Dakar?
„Das Team, mit allen Leuten.”

Und was ist das Schlimmste?
„Schlechte Nachrichten nach Unfällen. Das Warten auf neue Informationen, wenn ein Fahrer Probleme hatte.”

KTM hatte in der Vergangenheit stets Erfolg – warum? Und was macht ein Siegerteam aus?
„Es ist die Kombination aus Technik, Leidenschaft und Erfahrung. Jeder Einzelne gibt sein Bestes und will gewinnen. Von der Firmenleitung bis runter zu den Mechanikern. Jeder im Werk, vom Pförtner bis zu den Leuten am Montageband, interessiert sich für unser Treiben. Das motiviert extrem. Wir haben bei der Dakar so manche Marke kommen und gehen sehen, KTM ist seit Jahren ohne Unterbrechung dabei. Die Dakar ist ein besonderes Abenteuer, bei dem KTM tolle Erfolge gefeiert hat. Sicher auch, weil Heinz Kinigadner mit an Bord ist. Und wir die volle Unterstützung haben, von Sportchef Pit Beirer bis hin zu CEO Stefan Pierer.”

Geheimnis: „Es ist die Kombination aus Technik, Leidenschaft und Erfahrung.”

Weitere aktuelle KTM Infos zur Rally Dakar 2014: Auf Twitter unter @KTM_Racing und auf Facebook unter KTM Racing. Noch mehr Informationen rund um die Dakar sowie News und Ergebnisse gibt´s im Dakar Newsroom oder über den KTM Newsletter.

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www.dakar.com