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MX-Tune-up: Weitestmoeglich auf Werksbike-Level

Wer KTM kennt, weiss Bescheid. Zum Beispiel, dass der Slogan »Ready to Race« kein Gimmick ist. Und dass Tony Cairoli zur absoluten Motocross-Spitze zählt. Dreimal in Folge hat der Sizilianer alleine mit der 350 SX-F den MX1-WM-Titel gewonnen. Tony ist privilegierter KTM-Werksfahrer, klar. Uns hat interessiert, was notwändig wäre oder geändert werden müsste, um Cairoli´s Bike mit der berühmten Startnummer 222 so nahe wie möglich zu kommen. Um das herauszufinden, haben wir Dirk Grübel, Cheftechnikus im Red Bull KTM-Werksteam, um Auskunft gebeten.

Dirk Grübel: Als erstes könnte man einen Tausch der Federelemente ins Auge fassen. Das ist relativ einfach, wenn man mit WP-Suspension Kontakt aufnimmt. Grundsätzlich ist dieses Material käuflich zu erwerben, so wie es auch von KTM-Satelliten-Teams in der Motocross-WM praktiziert wird. Für Werks-Gabel und Stoßdämpfer sind rund 7.500 Euro anzusetzen, wobei sich das mit speziellen Teilen noch upgraden lässt. Kaufen ist also problemlos, man benötigt aber noch spezielle Gabelbrücken dazu, um alles zum Funktionieren zu bringen.

 

 

Dirk Grübel: Das Felgenmaterial ist überarbeitet. Wir fahren exakt die Sachen, die im Powerparts-Katalog erhältlich sind. Die Naben fallen einen Tick stabiler aus, unterm Strich sparen wir dazu etwas Gewicht. Unsere Felgen sind genau gleich wie beim Serienbike.

 

 

Dirk Grübel: Beim Motor sind alle Kitteile frei käuflich. Das heist: spezielle Kolben, Pleuel, Nockenwellen, Zylinderkopf und Drosselklappenkörper sowie die Einspritz-Mappings. Damit ist man schon verdammt nahe dran an Tony´s Material, bis auf Kurbelwelle und Getriebe; beide sind speziell auf seinen Geschmack zugeschnitten. Die Kit-Motorteile wirken sich querbeet positiv aus, das Triebwerk wird im unteren Bereich und übers ganze Drehzahlband stärker.

 

 

Dirk Grübel: Das Getriebe ist aus anderem Material; es ist stabiler und geringfügig leichter. Dazu werden die Teile regelmäßig getauscht, was auf diesem Level einfach dazu gehört. Die Gangstufen fallen genau wie in Serie aus. Tony´s Bike ist für eine 350er recht kräftig und durchzugssstark, insbesondere im Vergleich zur ersten 2010er Generation. Inzwischen wurde einiges verbessert, um die Maschine stärker und gleichzeitig leichter fahrbar zu machen, um auf Strecken mit reichlich Steigungen wie St. Jean or Sevlievo bessere Karten zu haben. Tony’s SX-F funktioniert auf sehr hohem Level, entsprechend hoch ist auch der Wartungsaufwand. Je mehr heraus gekitzelt wird, desto kürzer wird auch die Lebensspanne. Welche Teile besonders belastet weden? Der Zylinderkopf mit Ventiltrieb, Federn und Nockenwellen verlangt ständig nach Aufmerksamkeit. Auch der Kolben hat einiges auszuhalten, speziell bei diesen Kolbengeschwindigkeiten.

 

Der Benzintank ist serienmäßig, nur der Verschlussdeckel ist bei uns ein anderer. Das Rahmenheck aus Titanmaterial ist recht kostspielig und eigentlich nicht so ohne weiteres erhältlich.

 

Dirk Grübel: Die Plastikteile entsprechen komplett dem Serienmotorrad. Tony´s Sitz ist etwas spezielles, weil er manchmal eher weiter hinten sitzt beim Fahren und der Seriensitz hinten dünner gepolstert ist. Für mich sieht sein Teil aus wie eine Choppersitzbank! Der verwendete Schaumstoff ist sehr weich und wird nach ein oder zwei Rennen bereits getauscht. Tony´s Handgriffe sind von Renthal (grau, soft) und sind in fast jedem Laden erhältlich, seine verwendeten Titanfußrasten ebenfalls.

 

 

Dirk Grübel: Es sind rundum Titanschrauben verbaut, was zwar kostspielig, aber Gewicht einzusparen hilft. Titanschrauben wiegen ungefähr die Hälfte von Stahlschrauben. Inzwischen kann man die sogar bei ebay erstehen. Ich bin allerdings nicht sicher, ob die Qualität auch dem entspricht, was wir verwenden. Gegenüber einem Bike, wie es vom Band läuft, sparen wir so etwa 3,5 kg Gewicht ein.