Präsentation am Red Bull Ring: KTM ist zurück in der MotoGP

Der Motorrad-Grand Prix auf dem Red Bull Ring war die perfekte Bühne für KTM, um sein MotoGP-Projekt offiziell vorzustellen. Ab 2017 wird man mit den Piloten Pol Espargaró und Bradley Smith in der Königsklasse des Motorradrennsports an den Start gehen.

Es war ein Ambiente nach Maß: 80.000 Fans, das KTM-Orange auf den vollbesetzten Tribünen omnipräsent, dazu herrlicher Sonnenschein – und auf der Piste die KTM-Testpiloten Mika Kallio und Alex Hofmann mit ihrer KTM RC16. Zwei fliegende Runden absolvierten Kallio und Hofmann bei ihrem Demo-Run am Sonntag, kurz vor dem Start des MotoGP-Rennens. Ein Extra-Stopp vor der KTM-Tribüne im Infield des Red Bull Rings inklusive. Es war die erste Ausfahrt in der Öffentlichkeit für die neue RC16, mit der KTM ab 2017 in der MotoGP an den Start gehen wird.

Mika Kallio (FIN, #36) & Alex Hofmann (GER, #66) KTM RC16 Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016

Mika Kallio (FIN, #36) & Alex Hofmann (GER, #66) KTM RC16 Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016

Bereits tags zuvor hatte KTM zu einer Pressekonferenz geladen. Hunderte Journalisten und Fotografen waren zugegen, als Mika Kallio sowie RC16-Projektleiter Mike Leitner und KTM-Onroad-Technikchef Sebastian Risse das Tuch von der RC16 zogen. Nach etlichen Testfahrten in den vergangenen Monaten war es damit offiziell: KTM kehrt zurück in die MotoGP.

Das ist ein besonderer Tag für mich“, sagte KTM-Vorstandsvorsitzender Stefan Pierer. „Fast zweieinhalb Jahre sind vergangen, seit wir uns entschieden haben, in die MotoGP einzusteigen. Heute nun präsentieren wir dieses Projekt.“ Pierer machte eine klare Ansage: „Es ist der Traum meines Lebens, dass KTM eines Tages MotoGP-Weltmeister wird.“ Er sei sich zwar bewusst, so Pierer weiter, dass KTM eine Lernphase durchlaufen müsse. „Aber wir werden das Ziel MotoGP-Titel konsequent verfolgen, selbst wenn es zehn Jahre dauert.“ Als Europas größter Motorradhersteller sei es naheliegend, sich auch in der MotoGP zu engagieren. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen“, sagte Pierer.

Carmelo Ezpeleta, Pit Beirer, Stefan Pierer, Mika Kallio, Sebastian Risse, Mike Leitner KTM RC16 Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016

Carmelo Ezpeleta, Pit Beirer, Stefan Pierer, Mika Kallio, Sebastian Risse, Mike Leitner KTM RC16 Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016

Den ersten Renneinsatz wird KTM bereits in diesem Jahr bestreiten. Mit einer Wildcard-Nennung tritt man beim MotoGP-Saisonfinale in Valencia vom 11. bis 13. November an. Im Sattel der RC16 wird Testpilot Mika Kallio sitzen. Für die Renneinsätze im nächsten Jahr hat KTM den Spanier Pol Espargaró sowie den Briten Bradley Smith verpflichtet. Bis zum ersten Aufeinandertreffen mit der Konkurrenz von Honda, Yamaha, Ducati, Suzuki und Aprilia in Valencia hat KTM noch vier Tests in Brünn, Aragón, Misano und Valencia geplant.

Für KTM ist es das zweite Mal in der Firmengeschichte, dass man sich in der MotoGP engagiert. Bereits 2005 hatte man den Schritt in die höchste Klasse des Motorradrennsports gewagt, allerdings   nur als Motorenlieferant für das KR-Team. Im Gegensatz zu damals hat KTM nun mit der RC16 ein komplettes Motorrad entwickelt, das zudem von einem eigenen Werksteam eingesetzt wird. Gesteuert werden die MotoGP-Aktivitäten, ebenso wie das bereits seit vier Jahren erfolgreich laufende Moto3-Projekt und der im nächsten Jahr erstmals stattfindende Moto2-Einsatz aus der neuen KTM-Rennabteilung in Munderfing nahe des KTM-Firmensitzes in Mattighofen/Oberösterreich.

Die Piloten
Es ist der Finne Mika Kallio, dem als Nummer-1-Testfahrer eine bedeutende Rolle bei KTMs MotoGP-Projekt zukommt. Kallio und KTM – das ist eine langjährige Partnerschaft. Der 33-jährige Finne, seit 2002 in der Motorrad-WM unterwegs, fuhr acht Jahre lang in den Klassen 125ccm und 250ccm auf KTM-Motorrädern. In dieser Zeit schaffte Kallio zwölf Siege und wurde 2005 und 2006 125er-Vizeweltmeister sowie 2008 WM-Dritter in der 250er-Klasse. Später fuhr Kallio zwei Jahre in der MotoGP und errang 2014 Platz 2 in der Moto2-WM.

Dank seines Speeds, seines exzellenten technischen Wissens und seines immensen Erfahrungsschatzes resultierend aus 14 Jahren Motorrad-WM gilt Kallio als der ideale Mann, um ein Motorrad zu entwickeln. Im November 2015 übernahm Kallio seine Aufgabe als Testfahrer mit der RC16. Wenn er beim MotoGP-Saisonfinale 2016 in Valencia den ersten Renneinsatz mit der RC16 bestreiten wird, blickt Kallio somit auf ein ganzes Jahr Erfahrung mit KTMs MotoGP-Motorrad zurück.

Neben Kallio kamen im Rahmen der RC16-Entwicklung auch die Piloten Alex Hofmann, Randy de Puniet, Tom Lüthi und Karel Abraham zu Testeinsätzen.

Mika Kallio (FIN) & Alex Hofmann (GER) KTM RC16 Jerez (ESP) 2016

Mika Kallio (FIN, #36) & Alex Hofmann (GER, #66) KTM RC16 Jerez (ESP) 2016

Für die MotoGP-Saison 2017 verpflichtete KTM den Spanier Pol Espargaró und den Briten Bradley Smith. Pol Espargaró wuchs in Granollers unweit der Rennstrecke von Barcelona auf. Dort gab er 2006 im Alter von 15 Jahren sein WM-Debüt und machte sich dabei mit Platz 13 zum jüngsten Piloten in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft, der WM-Punkte einfuhr. Nach seinem Moto2-WM-Titel 2013 stieg der jüngere Bruder von Aleix Espargaró in die MotoGP auf und übernimmt nun 2017, nach zwei Jahren im Tech3-Yamaha-Team, die KTM RC16.

Wie Pol Espargaró gab auch Bradley Smith 2006 sein WM-Debüt, ebenfalls im Alter von 15 Jahren. Nach dem zweiten Platz in der 125er-Klasse 2009 wechselte Smith 2011 in die Moto2. Zwei weitere Jahre später ging es für Smith in die MotoGP-Klasse, wo er zuletzt Teamkollege von Pol Espargaró im Tech3-Yamaha-Team war.

Das Motorrad: KTM RC16

  • Motor: V4 (1000 ccm), pneumatischer Ventiltrieb
  • Leistung: 250 PS
  • max. Drehzahl: 19.000 U/min
  • Elektronik: Magneti-Marelli
  • Chassis: Stahlrohrrahmen (Hinterradschwinge: Aluminium)
  • Radstand: 1400 mm
  • Höhe: 700 mm
  • Gewicht: 157 kg
  • Tank: 22 Liter
  • Dämpfung: WP Suspension
  • Bremsen: Brembo
  • Reifen: Michelin (17 Zoll)
KTM RC16 2016

KTM RC16 2016


Das Team hinter dem RC16-Projekt
Es ist Sebastian Risse, der als „Technical Director Onroad“ im Hause KTM den gesamten Straßenrennsport und somit auch das MotoGP-Projekt puncto Technik zu verantworten hat. Risse, seit 2008 bei KTM, war zunächst für die Chassis-Entwicklung des RC8-Superbikes zuständig. Nach dem Gewinn des IDM-Superbike-Titels arbeitete Risse an der Moto3-Maschine, welche KTM seit 2012 zu vielen Siegen und zwei WM-Titeln verhalf.

Für den V4-Motor der KTM RC16 ist Kurt Trieb verantwortlich. Trieb machte nach seinem Ingenieurs-Studium in Stuttgart bei Porsche, Rotax und BMW Station, bevor er 2003 zu KTM stieß. Der 54-jährige konstruierte bereits den Motor für das erste MotoGP-Projekt von KTM 2005 sowie für KTMs Moto3-Motor.

Der MotoGP-Projektleiter ist Mike Leitner. Der Österreicher war in den 80er-Jahren selbst in der 125er-WM am Start. Nach seiner aktiven Laufbahn erarbeitete sich Leitner einen Ruf als herausragender Chassis-Experte. Nach etlichen Jahren als Crew Chief von MotoGP-Pilot Dani Pedrosa ist Leitner bei KTM nun „Vice President Onroad“ und damit jener Mann, der die Richtung vorgibt, wenn es um die Entwicklung der KTM RC16 geht.

Als „Motorsport Director“ von KTM obliegt Pit Beirer auch die Verantwortung für die Renneinsätze der RC16. Der ehemalige Motocross-Vizeweltmeister und Vollblutprofi Beirer fungiert seit 2010 als Sportchef des Unternehmens.

Sebastian Risse Kurt Trieb Mike Leitner Pit Beirer
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Sebastian Risse

KTM in der Motorrad-Weltmeisterschaft

    • 2003: KTM steigt mit einem Werksteam in die 125ccm-Weltmeisterschaft ein.
    • 2004: Casey Stoner holt in Sepang/Malaysia für KTM den ersten WM-Sieg in der 125er-Klasse.
    • 2005: KTM startet sein 250ccm-WM-Projekt, Anthony West fährt beim ersten Einsatz in Donington Park auf Platz 2. Parallel zum 125er- und 250er-Projekt entwickelt KTM einen 990ccm-Motor für die MotoGP, der im Team KR zum Einsatz kommt. In der 125ccm-WM holt KTM den Konstrukteurstitel und mit Mika Kallio Platz 2 in der Fahrerwertung.
    • 2006: Platz 2 für KTM in der 125ccm-WM mit Mika Kallio.
    • 2008: Platz 3 für KTM in der 250ccm-WM mit Mika Kallio.
    • 2009: KTM zieht sich aus der Motorrad-WM zurück. Die Bilanz: 22 Siege, 46 Podiumsplatzierungen, 19 Pole Positions.
    • 2012: KTM kehrt in die Motorrad-WM zurück und gewinnt im ersten Jahr der neuen Moto3-Kategorie, der Nachfolgeklasse der 125er-WM, mit Sandro Cortese den WM-Titel.
    • 2013: KTM gewinnt alle 17 Saisonrennen der Moto3-WM und stellt mit Maverick Viñales den Weltmeister.
    • 2015: Erster Test der KTM RC16, mit der KTM in die MotoGP-Klasse einsteigen wird.
    • 2016: Präsentation der RC16 beim Österreich-Grand Prix auf dem Red Bull Ring, erster Wildcard-Einsatz mit Mika Kallio beim Saisonfinale in Valencia.
Ales Hofmann (GER, #66) & Mika Kallio (FIN, #36) Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016

Ales Hofmann (GER, #66) & Mika Kallio (FIN, #36) Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016


Fotos: KTM